Dollar am Sonntag

Deals in der Schwebe

am
6. Dezember 2020

Es kann nur besser werden – nicht nur die Aktienmärkte hoffen in Anbetracht aller Probleme der Gegenwart auf eine bessere Zukunft. Insbesondere gilt dies für die USA, wo neue historische Höchststände verzeichnet wurden, weniger aber für die Aktien hierzulande. Während der EURO STOXX 50 ein neues Hoch seit Ausbruch der Corona-Krise markierte, scheiterte der hiesige DAX daran, besagte Kursspitze von Anfang September zu überwinden. Auf der Devisenseite gab es beim Euro gegenüber dem US-Dollar immerhin ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber der vergangenen Woche zu vermelden – vorübergehend wurde sogar ein neues Jahreshoch markiert, der höchste Stand seit Ende April 2018.

 

Immer wieder Brexit

Dass sich am Freitag per Saldo für den Euro doch noch ein Tagesverlust einstellte, mag vor allem zwei zu diesem Zeitpunkt sich noch in der Schwebe befindlichen „Deals“ zu verdanken sein. Die Rede ist auf der einen Seite von den am Freitag wieder einmal ins Stocken geratenen Verhandlungen über einen Brexit-Vertrag zwischen der EU und Großbritannien. Verhandlungen, über die ich während der vergangenen Wochen ganz bewusst sehr wenig geschrieben habe, weil diese nun bereits seit Monaten, eigentlich seit Jahren, nicht nur bei mir den Eindruck hinterlassen haben, dass es nicht wirklich damit voran geht. Aber auch, weil die Finanzmärkte – abgesehen vom britischen Pfund – fast schon eine gewisse Nonchalance an den Tag gelegt hatten, als ob es deren Teilnehmern fast schon egal sei, wie die Verhandlungen ausgehen würden. Hauptsache, es wird überhaupt verhandelt.

 

US-Arbeitsmarktbericht ohne Wirkung

Beim zweiten Deal handelt es sich um die wieder aufgenommenen Verhandlungen zu einem US-Konjunkturpaket. In diesem Zusammenhang hat der US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag publiziert wurde, einmal mehr verdeutlicht, wie dringend vor allem von den Arbeitslosen neue Hilfen benötigt werden. Denn die Zahl der neu geschaffenen Stellen im Nichtagrarbereich fiel mit einem Plus von 245 Tsd. im November weitaus niedriger aus, als dies von den Ökonomen im Mittel (+475.000) erwartet worden war. Allerdings zeigte das immer noch sehr weit gefasste Prognoseband der Ökonomen (-100 Tsd. bis +750 Tsd. Stellen), wie wenig Sinn es macht, solche Vorhersagen als Grundlage für eine Handelsentscheidung hinzuzuziehen. Allerdings bedarf es angesichts der Entwicklung an der Covid-19-Front in den USA keiner besonderen Anstrengung, sich auch für Dezember eine negative Entwicklung am Arbeitsmarkt vorzustellen. Wie dem auch sei: Die Akteure scheint das alles nicht sonderlich zu interessieren.

 

Auch in den USA wird wieder verhandelt

Immerhin haben in den USA die Republikaner in der vergangenen Woche wieder mehr Interesse am Abschluss eines neuen Konjunkturpakets gezeigt. Zumal viele Notfall-Stimuli am 26. Dezember auslaufen. Denn führende demokratische und gemäßigte republikanische Senatoren ließen in der vergangenen Woche durchblicken, dass neue Verhandlungen zu einem entsprechenden Paket auf Basis eines Volumens von 908 Milliarden USD geführt würden.

Allerdings gilt es bis zu einem Deal noch jede Menge Hindernisse zu überwinden, wobei dem Vernehmen nach vor allem Demokraten des linken Flügels besagtes Paket immer noch für viel zu niedrig halten. Auf der anderen Seite zeigten sich führende Senatoren bei den Republikanern bislang (noch) vorsichtig bis zurückhaltend. Allen voran der Mehrheitsführer Mitch McConnell, aber auch Finanzminister Steven Mnuchin, die am Donnerstagabend immer noch an ihrem Paket von lediglich 500 Mrd. USD festhielten. Ganz zu schweigen davon, dass der noch amtierende US-Präsident Donald Trump einem etwaigen Kompromiss höchstwahrscheinlich seinen Segen geben muss[1].

Unterdessen hält der Euro an seinem Aufwärtstrend fest. Dessen derzeitige Stärke bleibt, solange sich der Euro nun oberhalb von 1,2020/25 bewegt.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

[1] Für den Fall, dass der Kompromiss von einer ausreichend großen Mehrheit im Kongress getragen würde, hätte ein Veto des Präsidenten natürlich keine Chance.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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