Dollar am Morgen

Euro voll im Trend?

am
2. Dezember 2020

EUR USD (1,2070)             Nun ist es gestern mit dem Euro doch noch viel schneller nach oben gegangen, als dies viele Marktteilnehmer gedacht haben mögen. War der erste Run auf die Marke von 1,20 noch tags zuvor eindrucksvoll abgewehrt worden, wurde dieses Niveau nun erwartungsgemäß (vgl. meinen gestrigen Kommentar) mit Bravour überwunden. Gleichzeitig erreichte der Euro im Verhältnis zum US-Dollar den höchsten Stand seit Ende April 2018.

 

Runde Kursniveaus – ein Fall für Zentralbanken

Dies alles sollte (vor allen Dingen nach meinen gestrigen Einlassungen zu runden Kursniveaus) nicht überraschen. Denn dass der Devisenhandel wegen der Kursspitze von vor genau drei Monaten auf gleichem Niveau nun ein sogenanntes „Doppeltop“ etablieren würde, ist in der Geschichte der Devisenmärkte recht selten vorgekommen. Tatsächlich haben Devisenkurse ohne Mithilfe der Zentralbanken in der Vergangenheit an solch ausgeprägten Niveaus nie aus eigener Kraft große Wendepunkte einrichten können.

Und selbst die Zentralbanken machten unrühmliche Erfahrungen, was es bedeutet, bestimmte Kursniveaus zu verteidigen. Man muss nur an die Schweizerische Nationalbank denken, der es immerhin gelang, den Euro gegenüber dem Franken drei Jahre lang durch Interventionen über der Marke von 1,20 CHF (welche Duplizität der Zahlen!) zu halten, um dann im Januar 2015 mitansehen zu müssen, wie der Franken gegenüber der Gemeinschaftswährung innerhalb eines einzigen Tages vorübergehend um rund 40 Prozent aufwertete!

 

Serie von Fehlentwicklungen

Nun bleibt nicht nur technisch orientierten Analysten gar nichts anderes übrig, als spätestens jetzt einen zumindest kurzfristigen Aufwärtstrend für den Euro zu konstatieren. Wieder einmal. Denn wir haben in diesem Jahr schon einige Male erleben müssen, wie sich der Euro anschickte, eine signifikante Aufwärtsbewegung nach einer anhaltenden Konsolidierung loszutreten, um anschließend einige Tage später in den früheren Seitwärtsmodus zurückzufallen.

Im Gegensatz zu Anfang September, als der Euro zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren 1,20 USD erreichte, sind Stimmen, die nach Interventionen der EZB rufen, dieses Mal kaum zu vernehmen. Schlichtweg, weil zurzeit die Entwicklung eines starken Euros bzw. schwachen Dollars den Akteuren besser in den Kram zu passen scheint. Die Mehrheit der Analysten geht ohnehin von weiterer Dollarschwäche aus. Aber selbst ökonomische Daten scheinen derzeit kaum zu interessieren, wenn man etwa bedenkt, dass nun (nach den gestern publizierten Daten für Deutschland) auch die Konsumentenpreise in der Eurozone nach vorläufigen Berechnungen im November gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent, wie auch bereits im Oktober, gefallen sind.

 

Wie dem auch sei: Der Euro bleibt jedenfalls in starker Verfassung (Potenzial 1,2180), solange er sich nun oberhalb von 1,1870/75 bewegt. Unterhalb dieses Niveaus würden sich die Vorzeichen recht schnell ändern, zumal ein späteres Unterlaufen von 1,1800 deutlichere Schwäche nach sich ziehen würde.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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