Aktienmärkte Dollar am Sonntag

Ein umstrittener Schritt

von Joachim Goldberg am 22. November 2020

EUR USD (1,1855)             Dass sich der Dollar seit rund zwei Wochen kaum mehr bewegen will, sollte uns nicht beunruhigen. Denn gerade im Verhältnis zum Euro gab es immer schon Phasen geringer Aktivität – letzterer beschloss die vergangene Woche immerhin mit einem kleinen Plus.

Was indes die Aktienmärkte angeht, scheinen diese in einer Findungsphase zu stecken. Denn die Akteure müssen derzeit vor allem zwischen den Lockdown-Nachrichten in der Gegenwart, insbesondere der negativen Entwicklung in den USA samt neuer Maßnahmen, und dem allem Anschein nach positiven Ausblick in die Zukunft abwägen. Gemeint ist die Entwicklung der neuen Impfstoffe und damit verbunden ein wirtschaftlich rosiges Jahr 2021. Anders ausgedrückt: Auf kurze Sicht könnte man durchaus die Ansicht vertreten, Aktien zu „shorten“, aber mittel- bis langfristig ist man vielerorts bullish eingestellt.

 

Nur eine Konsolidierung

Wer allerdings auf eine deutliche Reaktion des DAX hierzulande während der vergangenen Tage gesetzt hatte, um bullishe Engagements auf günstigerem Niveau womöglich zu erhöhen, dürfte enttäuscht worden sein. Zumal gerade die Erfahrungen aus den Tagen nach der US-Wahl für viele Akteure noch in frischer Erinnerung sein dürften: Absichern gegen die Risiken und Kurseinbrüche hat sich nicht ausgezahlt. Und so gab es statt eines Rücksetzers lediglich eine schlappe Seitwärtsbewegung, beim DAX von nicht einmal 1,9 Prozent – es handelt sich um das geringste Handelsband seit Beginn der Corona-Pandemie.

Insbesondere im Zusammenhang mit der bullishen Kapitulationsbewegung aus der Vorwoche konnte man den Eindruck bekommen, viele Akteure würden regelrecht auf ihren Long-Positionen sitzen und darauf warten, dass irgendjemand kommt und die Kurse weiter nach oben treibt. Aber an optimistische Impfstoff-Nachrichten haben sich die meisten schnell gewöhnt, an Covid-19-Hiobsbotschaften aber auch.

 

Mnuchin verlangt Rückgabe von Notfallmitteln

Aber auch in den USA haben sich die Akteure nicht von den verzweifelten Versuchen des noch-Präsidenten Donald Trump, sich an sein Amt zu klammern, beeindrucken lassen. Selbst der ungewöhnliche Schritt von US-Finanzminister Steven Mnuchin, der Donnerstagnacht angekündigt hatte, bestimmte Kreditprogramme der US-Notenbank beenden zu wollen, hat (bislang) kaum Spuren hinterlassen. Es handelt sich um Mittel, mit denen die Fed infolge der Coronakrise über das CARES-Gesetz die Wirtschaft mit Notfallkrediten versorgt.

Nach dem Willen Mnuchins sollen diese Maßnahmen nun zum Jahresende auslaufen – die Fed soll demnach verbliebene Mittel in Höhe von 429 Milliarden USD an das Finanzministerium zurückgeben. Die Forderung des Finanzministers löste prompt eine negative Reaktion der Fed aus, die angesichts der andauernden Corona-Pandemie die Kreditprogramme aufrechterhalten möchte. Dem Vernehmen nach möchte jedoch nicht nur Finanzminister Mnuchin diese Gelder wichtigeren Zwecken, etwa zielgerichteten Hilfsprogrammen für die Bevölkerung, zuführen. Indes: Diese Rückführung der Mittel ist eigentlich nicht ohne Zustimmung der Fed möglich, aber Fed-Chef Jerome Powell ließ in einem Brief an den Finanzminister am Freitag bereits durchblicken, dass er sich mit dessen Absichten möglicherweise arrangieren würde.

 

Mindestens drei Wochen ohne Netz

Natürlich kann man nun einwenden, dass ein Großteil dieser Gelder bislang nicht abgerufen wurde. Vielleicht auch, weil allein schon das Versprechen der Fed, diese Mittel, falls notwendig, auch zu verwenden, die Marktteilnehmer bislang gewissermaßen nicht zuletzt auch psychisch ruhiggestellt hat. Nun wird dieses Sicherheitsnetz eigentlich ohne Not entfernt, so dass vielerorts die Befürchtung geäußert wurde, der Schritt Mnuchins sei allein politisch motiviert. Denn der designierte US-Präsident Joe Biden müsste die an das Finanzministerium zurückgegebenen Mittel für Kreditprogramme nach seiner Amtseinführung (20. Januar 2021) erneut beim Kongress beantragen, um diese der Fed für den Notfall wieder zur Verfügung zu stellen.

Und so gibt es mancherorts bereits Ökonomen, die angesichts dieses Konflikts prognostizieren, dass die US-Notenbank bei ihrer Sitzung im Dezember zusätzliche geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen beschließen könnte. Bislang hat sich jedoch diese Ansicht noch nicht in den Wechselkursen, i.e. einem schwächerer Greenback, niedergeschlagen. Ohnehin bleibt der Euro auf der anderen Seite in stabilem Umfeld, solange 1,1795 nicht verletzt wird.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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