Dollar am Morgen

Der Euro auf Platz eins

von Joachim Goldberg am 20. November 2020

EUR USD (1,1885)             Es mag eine nicht geringe Anzahl von Menschen geben, die es gerne sehen würden, wenn der US-Dollar seine Führungsrolle unter den Valuten der Welt verlöre. Und einen Moment lang dürften die Dollar-Gegner gestern aufgehorcht haben, als bekannt wurde, dass der Euro nach jüngsten Daten von SWIFT den US-Dollar zum ersten Mal seit fast acht Jahren als wichtigstes weltweites Zahlungsmittel auf Platz zwei verwiesen hat. Zumindest im Oktober.

Aber man sollte sich diesbezüglich nicht zu früh freuen, denn der US-Dollar ist nicht nur an 85 Prozent aller Devisentransaktionen als Währung beteiligt. Vielmehr lauten auch über die Hälfte der grenzüberschreitenden Kreditgeschäfte (vgl. Bericht der BIZ vom Juli) und 61 Prozent der amtlichen Währungsreserven auf US-Dollar. Kurzum: Um dem Greenback den Status als Welt-Reservewährung abzusprechen, muss noch viel passieren.

 

Wenig Impulse

Tatsächlich verlief der gestrige Handelstag des Euro im Verhältnis zum US-Dollar immer noch in sehr ruhigen Bahnen, und auch eine anfängliche Schwächetendenz konnte die Gemeinschaftswährung gut wegstecken. Am Ende reichte es nämlich nicht einmal für einen Test des Niveaus von 1,1795, das der Euro um seiner kurzfristigen Stabilität willen nicht unterlaufen sollte.

Von den gestrigen Wirtschaftsdaten in den USA ist die Entwicklung bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe (Woche zum 13. November) erwähnenswert – mit einem Plus von 742 Tsd. lagen die Anträge zwar exakt auf ihrem 4-Wochen-Durchschnitt, aber deutlich über den Erwartungen der Ökonomen, die im Mittel nur etwas mehr als 700 Tsd. Erstanträge prognostiziert hatten.

 

US-Stimulus-Paket noch nicht in Sicht

Nun gibt es seit gestern Nacht (MEZ) vorsichtige Anzeichen dafür, dass sich Demokraten und Republikaner vielleicht doch noch auf ein kleines Stimulus-Paket einigen könnten. Man spricht zumindest wieder miteinander. Doch das Hauptinteresse der Politiker richtet sich auf die Stichwahl in Georgia Anfang kommenden Jahres. Bei dieser Wahl erhoffen sich die Demokraten ein Ergebnis, das ihnen – die Wahrscheinlichkeit dafür wird von den Akteuren eher als ungünstig geschätzt – 50 Sitze im US-Senat verschafft. Und zusammen mit der Stimme der designierten US-Vizepräsidentin Kamala Harris hätte man dann immerhin die Mehrheit, um ein signifikantes Konjunkturprogramm in der einst angestrebten Größenordnung 2 Billionen USD durchzubringen. Zuvor laufen allerdings noch zum Jahresende zwei wichtige Hilfsprogramme zur Unterstützung von Arbeitslosen aus. Arbeitslose, die dann in manchen Fällen mittellos dastünden. Zynischerweise hat das bisherige Ausbleiben eines US-Konjunkturprogramms die Börsianer dortzulande nicht geschert. Für sie ist lediglich ein Stimulus entscheidend: die Geldpolitik der Notenbank.

Apropos Stimulus-Programm: Die Händler hierzulande schien es gestern Abend jedenfalls nicht zu stören, dass sowohl der EU-Haushalt als auch der Wiederaufbaufonds durch die Androhung Ungarns und Polens, wegen der Klausel zur Rechtsstaatlichkeit ein Veto einzulegen, zurzeit blockiert werden.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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