Dollar am Morgen

Gewöhnt an gute und an schlechte Nachrichten

von Joachim Goldberg am 19. November 2020

EUR USD (1,1845)             Devisenhändler haben es derzeit, zumindest was die Relation des Euro zum Dollar angeht, mit ausgesprochen ruhigen Zeiten zu tun. Obwohl wir gestern zumindest bis zum europäischen Handelsschluss den fünften Tagesgewinn in Folge registrieren konnten. Allerdings waren die einzelnen Gewinne winzig und machen in summa nicht einmal 100 Stellen aus. Ein signifikanter Ausbruch aus der Seitwärtsentwicklung scheint sich also nicht anbahnen zu wollen. Immerhin bleibt die Gemeinschaftswährung stabil, solange sie sich oberhalb von 1,1795 bewegt.

 

Gute Nachrichten ziehen nicht,

Bei den Aktienmärkten konnte man gestern einen ähnlichen Eindruck gewinnen. Natürlich müssen die Akteure derzeit vor allem zwischen kurzfristig negativen Lockdown-Nachrichten und mittel- bis langfristig wirksamen positiven Entwicklungen bei der Eindämmung von Covid-19 abwägen. So wurde jetzt das Ergebnis einer abschließenden Analyse des von Biontech/Pfizer produzierten Impfstoffs publik: Dessen Wirksamkeit liegt nun offenbar sogar bei 95 Prozent der Behandelten, damit hat Biontech/Pfizer mit der Konkurrenz Moderna gleichgezogen. Unterschiede bei den Impfstoffen bestehen vor allem bei der Lagerfähigkeit. Außerdem bleiben Fragen hinsichtlich der Dauer des Impfschutzes offen, ganz zu schweigen von logistischen Problemen.

 

…schlechte Nachrichten aber auch nicht

Trotz der hoffnungsvollen Nachrichten macht sich unter Börsianern eine gewisse Ermüdung (Gewöhnungseffekt) breit. Auch hierzulande sind sie seit vergangenem Mittwoch nicht mehr wesentlich bullisher geworden, wie die jüngste Umfrage der Börse Frankfurt gestern ergab (vgl. mein Kommentar dazu HIER). Aber Gewöhnungseffekte sind auch bereits seit einiger Zeit bei den negativen Nachrichten festzustellen. Mit dem Resultat, dass etwa der heimische DAX seit vergangenen Mittwoch gerade noch eine Handelsbandbreite von rund 2 Prozent produzierte.

 

Covid-19 bleibt größtes Extremrisiko

Aber die Mehrheit der Befragten hierzulande bleibt optimistisch, ist aber längst nicht so euphorisch wie etwa die von der Bank of America kürzlich befragten Investoren. Zu dieser Umfrage gibt es noch einen erwähnenswerten Nachtrag, über den ich hier gestern nicht berichtet habe. Und zwar geht es um die Einschätzung der Extremrisiken. Obwohl die internationalen Fondsmanager zum Ende der Umfrage am 12. November bereits vom Durchbruch bei der Impfstoff-Entwicklung wussten, hat sich die Bewertung des Risikos von Covid-19 gegenüber Oktober nicht verringert, sondern sogar noch einmal deutlich erhöht!

Über 40 Prozent der Befragten sehen in der Covid-19-Krise das größte Extremrisiko für die Märkte, gefolgt von einer Technologie-Blase, die jedoch nur von 20 Prozent der Befragten als größte Bedrohung angegeben wurde. Und auf Platz drei steht übrigens ein neuer Risiko-Kandidat, „civil unrest“ genannt, natürlich bezogen auf die USA. Unruhen in verschiedenen Ausprägungen, ob es sich nun um Aufmärsche von militanten Trump-Anhängern, Demonstrationen für mehr soziale Gerechtigkeit oder um Aufstände hungernder Arbeitslose handelt, denen weitere Hilfe versagt bleibt.

 

Warten auf neue bullishe Impulse

Mit anderen Worten: Risiken werden von den Akteuren nicht wirklich verdrängt, aber sich gegen sie abzusichern – das hat vor allem die Erfahrung in den beiden Wochen nach den US-Wahlen gezeigt – scheint zu kostspielig zu sein. Und deswegen entsteht der Eindruck, dass viele Investoren nun auf ihren Long-Positionen im Aktienmarkt sitzen bleiben und auf neue Nachfrage warten. Das gleiche gilt übrigens diametral entgegengesetzt für die Anleihemärkte: Netto 50 Prozent der von der BofA befragten Fondsmanager gaben an, in dieser Anlageklasse untergewichtet zu sein. Ein Wert, der nach gängiger Lesart antizyklische Käufe rechtfertigen würde.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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