Dollar am Morgen

Im Griff des Lockdown

von Joachim Goldberg am 29. Oktober 2020

EUR USD (1,1750)             Nun haben wir ihn also: den neuen Shutdown (light) in Deutschland, der ab Montag den ganzen November lang greifen soll. Dass die Aktienmärkte diesen Schritt nicht goutierten, sollte nicht überraschen. Der DAX verlor gestern abermals deutlich an Wert, dieses Mal mehr als 4 Prozent. Auch hat es nun den Euro erwischt, der für meinen Geschmack immer noch verhalten auf die Welle der Risikoaversion reagierte.

Aber auch die US-Aktienmärkte haben Federn gelassen. Vermutlich nicht einmal nur wegen der neuen Lockdown-Maßnahmen in Deutschland oder anderswo in Europa. Vielmehr haben die US-Börsianer daran zu kauen, dass das wochenlang diskutierte US-Konjunkturprogramm nicht auf die Schnelle kommen wird. Und je nach Wahlausgang könnte sich die Verabschiedung eines von den US-Bürgern doch so stark benötigten Stimulus-Programms sogar noch weiter verzögern. Sollte es nämlich den Demokraten nicht gelingen, die Mehrheit im Senat zu übernehmen, und Donald Trump nicht zum US-Präsidenten wiedergewählt werden, wäre die Chance auf ein späteres großes Stimulus-Paket eher gering.

 

Großes US-Stimulus-Programm auch später nicht gesichert

Und selbst mit einem wiedergewählten Donald Trump wäre es noch längst nicht sichergestellt, dass das Konjunkturpaket einmal tatsächlich 2 Billionen USD – dies ist der Referenzpunkt der Akteure an den Finanzmärkten – umfassen wird. Denn auch in einem neu zusammengesetzten US-Senat gäbe es natürlich Republikaner, die möglicherweise darauf bestehen würden, ein Paket so klein wie möglich, aber so groß wie nötig zu schnüren. Und sollten die Wahl-Prognosen in die Richtung gehen, dass es doch nicht zu einem Erdrutschsieg der Demokraten kommen sollte, müssten die Akteure an den Finanzmärkten ein massives Ausgabenprogramm auspreisen. Die Folge: sinkende Aktienkurse und ein steigender Dollar.

 

Investoren mehrheitlich zuversichtlich

Dennoch scheinen zumindest die heimischen Investoren den DAX noch nicht abgeschrieben zu haben. Denn interessanterweise hat sich das Sentiment der Börse Frankfurt sowohl bei den institutionellen als auch bei den Privatanlegern bei der gestrigen Befragung, die ich HIER (oder im Online-Video HIER) kommentiert habe, verbessert. Bei den institutionellen Investoren ist sogar leichter Optimismus erkennbar. Offenbar glaubt zumindest ein Teil der Befragten, dass auch diese deutliche Abwärtskorrektur von mehr als 10 Prozent alleine innerhalb des Zeitraums der vergangenen neun Tage wieder aufgefangen wird. Zumindest hätte eine darauf basierende Taktik während der großen Erholungsrallye seit den Corona-Tiefs der Aktienmärkte seit Ende März – richtiges Timing vorausgesetzt – funktioniert.

Unterdessen hat sich die gestiegene Risikoaversion der Akteure auch in der Dollar-Nachfrage niedergeschlagen und letztlich auch den Euro mit Versagen von 1,1755 aus seinem positiven Fahrwasser befördert. Und der kurzfristige Aufwärtstrend wäre bei dieser Gelegenheit auch noch fast beendet worden – dies wäre nun nach Unterlaufen von 1,1715 der Fall. Derzeitige Schwächetendenz des Euro bleibt jedenfalls vorherrschend, solange 1,1805 nicht überwunden wird.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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