DAX-Sentiment Dollar am Morgen

Niedrig-Zinsen bis Ende 2023

von Joachim Goldberg am 17. September 2020

EUR USD (1,1755)             Naturgemäß gab es zwar ein bisschen Bewegung im Devisenhandel vor der gestern endenden Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC), aber der Euro beschloss zumindest die europäische Handelssitzung per Saldo unverändert bei 1,1845.

 

Aktienstimmung verbessert

Ruhig blieb es auch an den hiesigen Aktienmärkten, aber nicht erst seit gestern. Vielmehr ist es fast schon auffällig, dass die Handelsbandbreite in der zurückliegenden Woche beim DAX gerade einmal rund 2 Prozent betragen hatte. Und dennoch gab es eine interessante Stimmungsveränderung. Zum ersten Mal seit Wochen hat sich die Gruppe der Pessimisten reduziert – bei den institutionellen Marktteilnehmern in überschaubarem Rahmen, aber bei den Privatanlegern schon sehr deutlich. In beiden Panels liegt die Stimmung nun jeweils rund 18 Punkte über dem Mittelwert der vergangenen sechs Monate, was einem recht ordentlichen relativen Optimismus entspricht.

Dass der DAX auf diese Kapitulationsbewegung nur moderat reagierte, dürfte in erster Linie Kapitalabflüssen aus dem Ausland zuzurechnen sein – letztere standen den heimischen Käufen wohl gegenüber. Dies ergibt zumindest die vorgestern publizierte Umfrage der Bank of America unter internationalen Fondsmanagern, die ihre Übergewichtung in Aktien der Eurozone um ein Drittel zurückgefahren hatten. Eine weitergehende Analyse finden Sie übrigens HIER.

 

Wenig Kursbewegendes von der Fed

Nun hat die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank letztlich das bestätigt, was Fed-Chef Jerome Powell bereits beim virtuellen Treffen der Notenbanker in Jackson Hole angedeutet hatte: Die Einführung eines durchschnittlichen Inflationsziels von 2 Prozent und die Ankündigung, dass die Leitzinsen so lange niedrig bleiben, bis sowohl die gewünschte maximale Beschäftigung als auch das Inflationsziel selbst erreicht sind. Und zieht man die sogenannten DOT-Plots, die Zinserwartungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses, zurate, wird die Zielzone der Fed Funds bis Ende 2023 auf ihrem derzeit untersten Niveau von 0 bis 0,25 Prozent verharren. Lediglich vier FOMC-Mitglieder können sich im Jahr 2023 überhaupt höhere Fed Funds vorstellen.

 

Ökonomische Prognosen mit Vorbehalt

Was die ökonomischen Prognosen angeht, wirkte das Statement der Notenbank in gewohnter Manier vorsichtig. Zwar sind die Median-Prognosen hinsichtlich des Wachstums gegenüber Juni für dieses Jahr deutlich verbessert. Insbesondere die Arbeitslosenquote wird nun für 2020 bei 7,6 Prozent, 2021 bei 5,5 und bis 2023 bei 4,0 Prozent gesehen. Pessimistisch lesen sich indes die Inflationsprognosen, wonach die Kernrate des Index der Privaten Konsumausgaben (PCE) im Mittel erst im Jahr 2023 das Ziel von 2,0 Prozent erreichen würde. Indes: Prognosen sind das Eine, aber der Verlauf der Konjunktur – so das Statement der Fed – wird im Wesentlichen vom Verlauf der Covid-19-Krise abhängen, heißt es sogleich einschränkend. Womit man letztlich alles Mögliche erklären kann, auch die möglichen Fehleinschätzungen.

 

Märkte „nicht positiv überrascht“

Die Devisenreaktionen blieben nach der Pressekonferenz zunächst überschaubar, wobei der Greenback heute Morgen in Fernost deutlicher zulegen konnte. Gut möglich, dass mancherorts von Jerome Powell Hinweise auf zusätzliche quantitative Lockerungsmaßnahmen (QE) erhofft wurden, die allerdings ausblieben. Powell bezeichnete nämlich die derzeitigen Maßnahmen als angemessen. Kurzum: Die Fed hat das Erwartete geliefert, aber die Märkte wie es ein Kommentator ausdrückte „nicht positiv überrascht“. Im gleichen Zuge hat der Euro sein einzig wichtiges Nachfrageniveau vor 1,1695/00 durchbrochen und bleibt damit weiterhin im Korrekturmodus seines Aufwärtstrends. Diese Korrekturen würden ohnehin erst nach Überschreiten von 1,1895/00 als weitgehend beendet gelten.

 

Hinweise

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

Der nächste Dollar am Morgen erscheint aus terminlichen Gründen erst am Montag, den 21. September

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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