Dollar am Morgen

Nicht nur Argumente gegen den Greenback

von Joachim Goldberg am 5. August 2020

EUR USD (1,1810)             Wer gestern nur auf die Kursentwicklung des Euro geblickt hat, dürfte resümieren, dass es sich um einen nutzlosen Tag gehandelt hat. Denn zumindest während der europäischen Handelszeit betrug der Unterschied zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs null Stellen. Natürlich gab es Versuche, den Euro nach oben und wieder nach unten zu treiben – allerdings, ohne dass markante Kursniveaus gefährdet wurden.

Während es wieder einige Fundamentaldaten zu verarbeiten gab, unter denen in den USA der Auftragseingang der Industrie für den Monat Juni positiv hervorstach, interessierten mich vielmehr die Kommentare, die derzeit zum Dollar bzw. dem Euro geschrieben werden. Denn die Fundamentaldaten vom Juni sind für die Marktteilnehmer längst Makulatur.

 

Wenn Corona länger dauert

Nun ist das Interesse an den Hauptargumenten der Dollar-Bären – diejenigen etwaiger Euro Bullen werden in den Medien derzeit sowieso nicht behandelt – allmählich erlahmt. Denn die Kommentatoren haben mittlerweile zur Genüge durchgekaut, warum der Greenback im Juli seinen schlechtesten Monat seit einer Dekade hingelegt hat. Seien es die fallenden (realen) Renditen in den USA, die Aussicht auf mögliche weitere geldpolitischen Lockerungen und fiskalpolitische Stimulus-Programme – vor allem wenn in den USA mehr Geld gedruckt wird als hierzulande, kann es dem Dollar eigentlich nicht gut gehen.

Und ein Argument gegen den Dollar, das in diesem Zusammenhang immer wieder genannt wird, ist die Corona-Pandemie, die die USA nach Ansicht vieler Kommentatoren wesentlich schlechter in den Griff zu bekommen scheinen als etwa die Staaten der Eurozone. Und so gilt zurzeit landläufig eine Maxime: Je länger es dauert, bis ein Impfstoff gegen Corona gefunden wird, desto stärker müssen die USA fiskal- und geldpolitisch tätig werden.

 

Keine endlosen Hilfsprogramme

Nun warf zu Wochenbeginn ein Kommentator ein, dass diese Programme nicht endlos sein könnten und die Zentralbanken bei einer Verschlechterung der globalen Covid-19-Situation möglicherweise den Finanzmärkten am Ende nicht genügend Liquidität zur Verfügung stellen könnten, um diese nachhaltig zu stützen. Ein Szenario, unter dem der Dollar als sogenannter sicherer Hafen wieder als erstes gefragt sei. Ein Argument, das man sicherlich nachvollziehen kann.

Allerdings vertrete ich nach wie vor die Meinung, dass der Dollar im Juli nicht primär wegen der anhaltenden Risikofreude der Finanzmarktteilnehmer so stark gefallen ist, von der letztlich auch der Euro in großem Maße profitiert hat. Vielmehr muss man sich doch fragen, warum bestimmte Marktteilnehmer in Krisenzeiten ausgerechnet den Dollar kaufen sollen, wenn sie etwa – aufgrund eines angespannten Verhältnisses zu den USA – damit rechnen müssen, im Zweifel vom Dollar-System abgehängt zu werden. Der Dollar dürfte so gesehen im Krisenfall bestenfalls kurzfristig als Safe Haven profitieren. Mittel- bis langfristig sind Alternativen gefragt.

 

Für die Marktteilnehmer war hinsichtlich der Euro-Entwicklung gestern nicht ganz klar, ob es noch einen zweiten Abwärtsast in der derzeitigen Korrektur oder eine sofortige Fortsetzung des Aufwärtstrends geben würde. Dieser wird zurzeit an der Oberseite bei 1,1825 behindert, sollte darüber allerdings bald Momentum entfalten, um das Potenzial in Richtung 1,2020 auszuschöpfen. An der Unterseite bleibt nun 1,1720 (schlecht unterstützt!) für den Fortbestand des kurzfristigen Aufwärtstrends in seiner steilen Version maßgeblich.  

 

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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