Dollar am Morgen

Nur eine technische Korrektur

von Joachim Goldberg am 4. August 2020

EUR USD (1,1770)             Für viele Marktteilnehmer war die vornehmlich technisch begründbare Erholung des Dollar bzw. der Rücksetzer des Euro am Freitag und gestern wohl längst überfällig gewesen. Wobei sich das Interesse vornehmlich auf den Dollar und weniger auf die Gemeinschaftswährung konzentrierte. Zumindest was die Begründungen für die längerfristige Entwicklung des Wechselkurses zwischen diesen beiden Währungen angeht. Die Hauptargumente der Akteure, die gegen den Dollar sprechen, bestehen in der Erwartung weiterer geldpolitischer Lockerungen vornehmlich in den USA sowie in der Uneinigkeit der fiskalpolitischen Vertreter über die Ausgestaltung eines neuen Stimulus-Programms. Aber auch die fallenden Renditen am Bondmarkt werden als kritischer Faktor für die Einschätzung des Greenback angeführt.

 

Überzogenes Sentiment

Am ehesten könnte man andererseits für die jüngste leichte Erholung des Dollar bzw. den Euro-Rücksetzer das überzogene Sentiment und die vergleichsweise hohen Euro-Long-Positionen als Erklärung anführen. Zumindest waren die spekulativen Euro-Positionen der Chicagoer Futures-Börse, die die CFTC am Freitag veröffentlichte, auf Rekordniveau. Und passend dazu stiegen umgerechnet die Dollar-Shortpositionen (vgl. Reuters) auf den höchsten Stand seit August 2011 in einer Größenordnung von mehr als 24 Mrd. USD. Allerdings sind diese gemeldeten Positionsvolumina bereits eine Woche alt und müssen nicht zwangsläufig den Gesamtmarkt repräsentieren. Sie taugen aber durchaus als Spiegel des vorherrschenden Sentiments.

 

Schnelle Gewinnmitnahmen?

Dabei ist es durchaus bemerkenswert, dass das Euro-Sentiment seit Wochen im Steigen begriffen ist, ohne dass es gerade bei den spekulativen und oft kurzfristig orientierten Positionen zu sichtbaren Gewinnmitnahmen gekommen wäre. Abgesehen von den beiden vergangenen Handelstagen. Als angeblicher Auslöser für diese wahrscheinlich nur kurzfristigen Reaktionen wurden wieder einmal Wirtschaftsdaten genannt, allen voran der US-Einkaufsmanagerindex in der Version des ISM, der auf der positiven Seite überraschte. Allerdings war die Erholungsbewegung des Dollar schon deutlich vor Publizierung dieser Zahlen beendet, so dass es schwer fällt, einen Zusammenhang zwischen Währungsentwicklung und Fundamentaldaten herzustellen.

 

Volatile Wachstumsprognosen

Fundamentaldaten, die übrigens dazu führten, dass die US-Wachstumsprognose des viel beachteten Modells der Fed von Atlanta, GDPNow, für das dritte Quartal von 11,9 Prozent am 31. Juli auf nunmehr 19,6 Prozent hochgeschossen ist. Natürlich sind die ökonomischen Prognosen des Modells in dieser frühen Phase ohnehin noch sehr volatil. Was aber viel wichtiger ist: Für mich sind die Vorhersagen – auch wenn ich diesem Modell grundsätzlich positiv gegenüberstehe – zurzeit nur von geringer Bedeutung. Denn die US-Notenbank hat es in ihrem Statement nach der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) am vergangenen Mittwoch deutlich gemacht, dass die ökonomische Erholung eng mit der Entwicklung der Corona-Pandemie verbunden ist. Und solange Covid-19 nicht eingedämmt werden kann, sind weitere Hilfsprogramme und geldpolitische Lockerungen erforderlich. Beide Einflussfaktoren lasten auf dem Dollar.

Unterdessen hat der Rücksetzer des Euro gestern beinahe das Schlüsselniveau für den Fortbestand der steilen Version seines kurzfristigen Aufwärtstrends bei 1,1690 getestet, sich aber zum Schluss der Handelssitzung wieder deutlich erholt. Die Perspektive in Richtung 1,2020 bleibt somit erhalten.

 

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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