Dollar am Morgen

Bedrohliche Gedankenspiele

von Joachim Goldberg am 9. Juli 2020

EUR USD (1,1365)             Eigentlich sollte man nicht versuchen, in kleine Kursausschläge des Dollar zu viel hineinzulesen. Aber die gestrige leichte Schwäche des Greenback fällt insofern auf, als sie sich kaum auf Risikofreude an den Aktienmärkten zurückführen lässt. Auch wenn dieser Zusammenhang immer wieder unterstellt wird. Denn bis zum gestrigen Ende der europäischen Handelssitzung konnte man den US-Aktienmärkten – und schon gar nicht dem hiesigen DAX – allzu viel Positives abgewinnen.

Indes: Der Euro hat ebenfalls von der gestrigen Dollarschwäche profitiert (in der Spitze 100 Stellen) und war immerhin in der Lage, die Oberseite der Handelsspanne der vergangenen beiden Tage zu überschreiten. Ein neuer Trend ist damit allerdings nicht eingeleitet, wenngleich sich die Gemeinschaftswährung in einem stabilen bis freundlichen Umfeld befindet, solange an der Unterseite nun 1,1250/55 nicht mehr verletzt wird.

 

Hongkong-Dollar unter Beschuss?

Wesentlich interessanter war gestern eine Meldung von Bloomberg, wonach ungenannten Quellen zufolge sich derzeit Berater von US-Präsident Donald Trump mit Planspielen beschäftigen, wie sich die Bindung des Hongkong Dollar an den Greenback, der sogenannte “Peg“, unterlaufen ließe. Und zwar als mögliche Vergeltungsmaßnahme für das von China vor einigen Wochen verabschiedete neue Sicherheitsgesetz für Hongkong. Den Währungs-Peg des Hongkong-Dollar gibt es faktisch seit 1983, und während der vergangenen zehn Jahre betrug der größte Kursausschlag gegenüber dem US-Dollar weniger als 1,5 Prozent.

 

Unliebsame Erinnerungen

Auch wenn es aus Sicht von Marktbeobachtern unwahrscheinlich ist, dass die USA dieses Vorhaben tatsächlich umsetzen, können viele nicht vergessen, dass die USA in der Vergangenheit mehrfach angedeutet hatten, sie seien unter Umständen bereit, unliebsamen Staaten den Zugang zum US-Finanzsystem und damit zu ihren Dollar-Konten zu versperren. Ein derartiges Szenario habe ich im vergangenen Jahr insbesondere HIER und HIER skizziert.

Denn eine Möglichkeit für die Trump-Administration, den Peg zu attackieren, bestünde eben darin, Hongkong den Zugang zum Dollar-Clearingsystem zu verwehren. Allerdings mit dramatischen Folgen für die globalen Finanzmärkte. Denn was machen denn Anleger und internationale Investoren, wenn sie befürchten müssen, dass ihre Dollar-Guthaben im Extremfall eingefroren werden? Außerdem ist kaum anzunehmen, dass China einer solchen Maßnahme tatenlos zusehen würde. Und eine der möglichen Vergeltungsaktionen bestünde in einem Verkauf von US-Wertpapieren in großem Stil. Und genau das würde der Trump-Administration angesichts der bevorstehenden Wahlen im November ganz bestimmt nicht passen.

 

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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