Dollar am Morgen

Krankheit, Krise, Konkurse und Kursgewinne

von Joachim Goldberg am 1. Juli 2020

EUR USD (1,1225)             Das Quartal, das gestern zu Ende gegangen ist, kann man nicht anders als bemerkenswert nennen, handelt es sich doch für die globalen Aktienmärkte um das beste seit dem Jahr 2009. Speziell für US-Aktien fiel der Quartalsgewinn so hoch aus wie zuletzt in IV/1998. Müßig zu erwähnen, dass die Kursverluste aus dem ersten Quartal dieses Jahres zu großen Teilen wettgemacht wurden und die US-Technologiebörse Nasdaq sogar ein neues Allzeithoch markieren konnte. Obwohl die Volkswirtschaften dies- und jenseits des Atlantiks noch längst nicht aus dem Schneider sind.

 

An ökonomische Schreckensszenarien gewöhnt

Aber wie wir gelernt haben, kann man sich selbst an die fürchterlichsten ökonomischen Daten und Szenarien gewöhnen, sofern einem die Zukunft dennoch rosig erscheint. Berücksichtigt man die Tatsache, dass sich die Akteure an den Finanzmärkten mit Covid-19 als einer „biologischen Bedrohung“ auseinandersetzen müssen, die noch längst nicht beendet ist, ist der besagte Turnaround noch bemerkenswerter.

Aber auch ein anderer negativer Faktor des zweiten Quartals wird von Kommentatoren hierzulande gerne ausgeblendet. Denn allein von den US-Unternehmen mit Verbindlichkeiten in einer Größenordnung von mindestens 50 Mio. USD (vgl. Bloomberg) haben 75 während der vergangenen drei Monate einen Insolvenzantrag gestellt. Damit handelt es sich nach dem zweiten Quartal des Jahres 2009 um die zweithöchste Zahl von Insolvenzanträgen, die in diesem Segment jemals innerhalb von drei Monaten gestellt wurden.

 

Mit der Corona-Krise besser zurecht gekommen

Fast schon beschaulich nimmt sich dagegen die Entwicklung des Dollar während des zweiten Quartals aus, der gegenüber einem Korb an Währungen, gemessen am Dollar-Index, 1,7 Prozent an Wert verlor. Im gleichen Zuge konnte sich der Euro während dieses Zeitraums um 2 Prozent befestigen; und das bei einer Handelsbandbreite von rund 6 Prozent gegenüber dem Dollar. Auch wenn sich schwer sagen lässt, ob die Märkte eher von einer Dollarschwäche denn von einer leichten Eurostärke getrieben wurden, hat man zumindest gefühlt den Eindruck, dass die Staaten der Eurozone per Saldo mit der Covid-19-Krise besser zurecht kommen als etwa die USA oder Großbritannien.

 

Gemischte Wirtschaftsdaten

Nun gab es gestern auch noch ökonomische Daten, die in anderen Zeiten sicherlich etwas kritischer betrachtet worden wären, aktuell aber ohne signifikante Auswirkung auf die Finanzmärkte blieben. So etwa der Chicagoer Einkaufsmanagerindex, der mit 36,6 die Medianprognose der Ökonomen (45,0) bei weitem verfehlte. Andererseits überraschte aber das Verbrauchervertrauen (Conference Board) mit einem Riesensprung auf der positiven Seite. Allerdings hat das gute Datum einen Haken: Die Umfrage war bereits am 18. Juni beendet, also bevor Florida, Texas und seit Montagabend Arizona erneut Covid-19-bezogene Beschränkungen erlassen mussten.

Der Euro verharrte somit auch am gestrigen Handelstag ohne sichtbaren Trend in seiner Seitwärtsentwicklung, bleibt aber (nunmehr) oberhalb von 1,1125/30 stabil.

 

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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