Dollar am Morgen

Beste Stimmung für den Euro

von Joachim Goldberg am 24. Juni 2020

EUR USD (1,1320)             Dass gestern abermals die Stunde des Euro schlug, sieht man vor allen Dingen daran, dass die Gemeinschaftswährung gerade einmal zwei Tage benötigte, um die Kursverluste der vergangenen Woche praktisch wettzumachen. Dabei sah es in der vorvergangenen Nacht zwischendurch gar nicht gut aus, als sich der Wirtschaftsberater des US-Präsidenten, Peter Navarro, zu Wort meldete und in einem Interview mit Fox News den Handels-Deal mit China für „over“ (beendet) erklärte.

 

Aus dem Zusammenhang gerissen

Die Reaktion der Finanzmärkte war deutlich: Aktien-Futures – diejenigen des S&P 500 verloren vorübergehend 1,6 Prozent an Wert – mussten einen kräftigen Rücksetzer hinnehmen, und der Dollar war als Fluchtwährung so gut gefragt, dass der Euro zwischenzeitlich eine Korrektur von 60 Stellen produzierte. Die Lage beruhigte sich erst, als sich US-Präsident Donald Trump höchstpersönlich gezwungen sah, in einem Tweet Navarros Einlassungen zu entkräften. Einlassungen, von denen Navarro später sagen würde, sie seien völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden. Das China-Abkommen“ sei „voll intakt“, erklärte Trump. Dabei scheint Navarro ironischerweise doch fast etwas Wahres gesagt zu haben: Dass sich das Vertrauen der USA in China praktisch am Boden befindet.

 

Und auf Linie gebracht

Aber Trumps Richtigstellung brachte die Märkte und Navarro umgehend wieder auf Linie, so dass es eigentlich gar nicht des Kudlow‘schen Echos am Nachmittag bedurfte, als der ökonomische Chefberater des Weißen Hauses noch einmal in einem TV-Interview mit Fox betonte, dass das Handelsabkommen mit China intakt sei. Auch machte er, wie bereits Donald Trump zuvor, deutlich, dass das nächste Stimulus-Paket in den USA sowohl Steuererleichterungen als auch weitere Schecks an private Haushalte beinhalten würden.

 

V-förmige Stimmung

Den eigentlichen Punkt machte der Euro gegenüber dem Dollar allerdings gestern wegen der Publizierung der vorläufigen Einkaufsmanagerindices (Markit), die für die Eurozone besser als von den Ökonomen im Mittel erwartet ausgefallen waren. Und Frankreich wartete mit Zahlen auf, die sogar oberhalb der 50er Schwelle, der Trennlinie zwischen Kontraktion und Expansion, lagen. Und wenn man nun auf die Grafik des Einkaufsmanagerindex für die Eurozone blickt, sieht man tatsächlich – zumindest was die Stimmung angeht – ein deutliches V. Ansonsten wird man, wie es ein Kommentator ausdrückte, abwarten müssen, ob die gute Stimmung durch die „wirklichen“ harten ökonomischen Daten bestätigt werden wird.

 

Tag der Risikofreude

Natürlich gab es diese technische Erholung, dieses V, auch in den USA. Aber die Medianerwartung der Ökonomen wurde leicht enttäuscht, wobei der Index für die Industrie mit einem Wert von 49,6 nur ganz knapp unter der magischen 50er Linie (diesen Wert wollten auch die Ökonomen im Mittel sehen) lag. Tatsächlich siegte am gestrigen Handelstag zunächst wieder einmal die risikofreudige Einstellung der Aktienhändler, wobei der DAX zum Ende der europäischen Handelssitzung die Nase gegenüber den US-Pendants vorne hatte. Und so hat auch der Euro seinen kurzfristigen Aufwärtstrend bestätigt und fortgesetzt – dieser verläuft nun zwischen 1,1185 und 1,1575/80.

 

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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