Dollar am Morgen

Gleichklang ist am Ausklingen

von Joachim Goldberg am 10. Juni 2020

EUR USD (1,1340)             Gerade während der vergangenen Tage bekam ich immer wieder zu hören, dass der Kurs des Euro (zum USD) derzeit stark mit der Entwicklung an den Aktienmärkten korreliert sei. Vor allen Dingen mit den hiesigen. Nun hat es gestern beim DAX einen deutlichen Rücksetzer gegeben und anfangs auch beim Euro. Was den DAX bzw. auch den Euro Stoxx 50 und anfangs die US-Aktienmärkte angeht, war als Begründung für diese Entwicklung mehr als einmal das Wort „Gewinnmitnahmen“ zu hören. Ein Argument, das ich eigentlich nicht mag, weil es keine richtige Erklärung darstellt. Vor allen Dingen, wenn es möglicherweise gar nicht zu viele Gewinner gegeben hat.

 

Zweifelhafte Begründungen

Natürlich könnte man jetzt auch fundamental argumentieren, vor allen Dingen, weil die deutschen Exporte im April gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als 30 Prozent dramatisch eingebrochen waren. Ein Verkaufsargument, das gestern auch anfangs für den Euro gegolten haben könnte. Aber nicht viel später, als die Revision zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone während des ersten Quartals veröffentlicht und dieses etwas besser als erwartet ausgefallen war, begann die Gemeinschaftswährung zu steigen und ließ alsbald die Bären alt aussehen. Die Aktienmärkte hierzulande versuchten mitzuhalten, aber von der eingangs genannten Korrelation mit dem Euro war nicht viel zu merken.

 

Strategiewechsel der Fed kaum zu erwarten

Dabei sollte ich nicht anzumerken vergessen, dass heute die zweitägige Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) zu Ende gehen wird und bereits vereinzelte Stimmen laut wurden, die sich aufgrund des positiv „schockierenden“ Arbeitsmarktberichts vom vergangenen Freitag eine etwas hawkishere Intonation des heutigen Notenbankstatements vorstellen können. Allerdings dürfte sich die Fed nicht von einem einzelnen Arbeitsmarktbericht in ihrer Strategie beeinflussen lassen.

 

Euro-Schieflagen im Focus

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass derzeit viele Marktteilnehmer auf einen viel deutlicheren Rücksetzer als den gestrigen im Aktienmarkt hoffen – ähnliches gilt auch für den Euro. Tatsächlich glaube ich nicht, dass es gestern primär aufgrund der Entwicklung irgendwelcher Wirtschaftsdaten zu Euro-Käufen gekommen ist. Vielmehr zeigt unser auf Erkenntnissen der Behavioral Finance beruhendes Modell, dass mittlerweile auch einige mittelfristig orientierte Akteure mit dem kurzfristigen Aufwärtstrend ihre liebe Not haben dürften.

Wir schätzen, dass der Euro vielerorts als überbewertet wahrgenommen wird, und zwar in einer Größenordnung von etwas mehr als 2 Prozent. Mit anderen Worten: Der anfängliche Rücksetzer des Euro und die darauf folgende starke Performance am gestrigen Handelstag sprechen für einige Stopp-Loss-Käufe und sind ein Beleg für die Stärke des kurzfristigen Aufwärtstrends. Dieser hat nun das Zeug, auch das bisherige Jahreshoch von rund 1,1430 zu testen und darüber in die Region von 1,1530 vorzudringen. Zumindest bleibt der kurzfristige Trend in seiner steilen Version erhalten, solange nunmehr 1,1240 nicht mehr unterlaufen wird.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

Wegen des Feiertages Fronleichnam werde ich mich in ein verlängertes Wochenende begeben – der nächste Report erscheint somit erst am Montag.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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