Dollar am Morgen

Ein aufgePEPPtes Programm

von Joachim Goldberg am 5. Juni 2020

EUR USD (1,1350)             Nun konnte der Euro gestern sogar den achten Handelstag hintereinander einen Tagesgewinn gegenüber dem Dollar verbuchen. Und dabei werden Erinnerungen wach, nämlich an eine ähnlich lange Phase täglicher Kursgewinne im Februar dieses Jahres – sie dauerte insgesamt zwölf Handelstage und wurde nur von einem einzigen Minus-Tag (Tag 9) unterbrochen. Natürlich waren die Voraussetzungen vor etwas mehr als einem Vierteljahr ganz anders, aber interessanterweise startete der Euro-Aufwärtstrend damals am 19. Februar, genau an dem Tag, an dem die wichtigsten Aktienindices in den USA und hierzulande ihr bisheriges Allzeithoch markierten.

Nun sollten solche statistischen Ähnlichkeiten nicht dazu verführen, auf Wiederholungen in der Zukunft oder gar auf Kausalitäten bzw. Korrelationen zu schließen. Das einzige, was tatsächlich als bemerkenswert gelten darf, ist, dass sich kurzfristige Trends in den vergangenen Monaten anscheinend in ihrer Struktur dergestalt verändert haben, dass sie kaum noch von Korrekturen gekennzeichnet sind. Und von diesen neuartigen Bewegungen haben wir in diesem Jahr neben der jetzigen bereits drei an der Zahl gehabt.

 

Indiz für langfristige Kapitalflüsse

Ein Trend ohne Korrekturen mag ein Indiz dafür sein, dass der Kurs des Euro während der vergangenen Tage durch längerfristige Kapitalströme getrieben wurde – gemäß dem Motto: „Raus aus dem Dollar, rein in die Eurozone“. Neben der Idee, dass Fondsmanager in den vergangenen beiden Wochen ihre Untergewichtung in Aktien der Eurozone zulasten ihrer Übergewichtung in US-Aktien korrigiert haben könnten[1], gibt es natürlich noch andere Gründe, dem Greenback längerfristig den Rücken zu kehren. Etwa wenn China im Rahmen des Konflikts mit den USA eine leichte Umschichtung seiner Dollar-lastigen Währungsreserven in andere Valuten vorgenommen haben sollte. Per Ende April haben diese Währungsreserven immerhin umgerechnet 3,092 Billionen USD betragen.

 

PEPP treibt Euro

Den Hauptgrund für die gestrige Eurostärke (zeitweise bis 1,1360) dürfte allerdings das Ergebnis der EZB-Sitzung dargestellt haben. Wie ich gestern (HIER) anmerkte, ist dies durchaus nicht selbstverständlich, denn geldpolitische Lockerungen würden unter normalen Umständen zu einer fallenden Währung führen. So haben die Ratsmitglieder gestern mit breitem Konsens – also nicht einstimmig – beschlossen, das wegen der Corona-Krise aufgelegte PEPP-Programm (Pandemic Emergency Purchase Programme) um 600 Mrd. auf 1,35 Billionen Euro aufzustocken und dieses Programm mindestens bis Juni 2021 laufen zu lassen.

Die Ausweitung des PEPP-Programms mag die Erwartungen der Marktteilnehmer (im Durchschnitt ging man wohl von einer Ausweitung des Programms von 500 Mrd. Euro aus) leicht übertroffen haben, stieß aber dennoch nicht überall auf Gegenliebe. So gab es Kommentatoren, die die Erhöhung des Anleihekaufprogramms zum jetzigen Zeitpunkt für falsch halten. Aber was wäre wohl passiert, wenn die EZB gezögert und somit die Markterwartung enttäuscht hätte? Vielleicht hätten die hiesigen Aktienmärkte einen vorübergehenden Rücksetzer hinnehmen müssen, genauso wie der Euro. Dieser verbleibt nun in seinem kurzfristigen Aufwärtstrend, dessen gestern avisiertes Potenzial mit 1,1335 bereits überschritten wurde, während seine untere Begrenzung in der steilen Version nun auf 1,1170 angehoben werden kann.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

[1] Vgl. etwa die BofA Umfrage unter internationalen Fondsmanagern per 14. Mai mit einer starken Untergewichtung der Manager in Aktien der Eurozone.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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