Dollar am Morgen Märkte

Den Blick starr auf das Ende der Krise gerichtet

von Joachim Goldberg am 27. Mai 2020

EUR USD (1,0960)             Eigentlich kann man sich recht kurz fassen, was den gestrigen Handelstag betrifft. Der US-Dollar machte innerhalb einer Handelssitzung die Kursgewinne der vorangegangenen drei Handelstage praktisch zunichte und der Euro vollzog parallel entgegengesetzt die gleiche Entwicklung und stand am Ende in etwa dort, wo er den vergangenen Mittwoch beschloss. Dazwischen liegen Feiertage dies- und jenseits des Atlantiks.

Obgleich der Greenback während jener Tage gut nachgefragt war, zeigte sich am Aktienmarkt kaum Risikoaversion. Wo doch ein fester Dollar – so die landläufige Interpretation – eben diese Risikoaversion normalerweise widerspiegeln soll. Gestern war nun zu lesen und zu hören, dass es immerhin Risikofreude gewesen sei, die den Dollar unter Druck gesetzt habe. Tatsächlich bekommt man den Eindruck, dass sich die Kommentatoren schwertun, die ohnehin übersichtlichen Kursausschläge besagter Valuten sinnvoll zu begründen.

 

Immergleiche Kaufargumente

Aber auch an den Aktienmärkten kann man von einer einseitigen Wahrnehmung sprechen. Denn die Argumente, die gestern etwa den US-Aktienindex S&P 500 erstmals seit März wieder über die 3.000er Marke gehievt und dem hiesigen DAX seit dem Tiefstand vom 16. März einen Kursgewinn von rund 40 Prozent beschert hatten, haben sich seit Himmelfahrt nicht wesentlich verändert.

So gibt es für viele Akteure vorsichtige Anzeichen dafür, dass die schlimmsten ökonomischen Folgen der Corona-Krise hinter uns liegen. Hinzu kommen die schrittweise Aufhebung der Kontakt- und Reisebeschränkungen im Rahmen eben dieser Krise. Fiskalische Stimulus-Programme, wo man hinblickt. Ob es wohl in Europa ansatzweise zu einer Art Fiskalunion kommt, innerhalb derer mithilfe gemeinsamer Schulden in Höhe von mehreren 100 Milliarden EUR den von der Pandemie am härtesten betroffenen Volkswirtschaften innerhalb der EU geholfen werden soll? Und das Anleihekaufprogramm der EZB mit dem vielsagenden Namen PEPP wird wohl auch noch einmal erhöht und soll – so Markterwartungen – bis zum Jahresende ein Volumen von mindestens 1,5 Billionen Euro aufweisen.

 

Ausgeblendete Gefahren

Negative Nachrichten – alles, was etwa die sich verschlechternden Beziehungen zwischen den USA und China betrifft – werden hingegen seit Tagen von den Börsianern ignoriert. Diese Art von selektiver Wahrnehmung und Betonung der immergleichen positiven Argumente spricht dafür, dass die Pessimisten während der vergangenen Handelstage zum Schweigen gebracht wurden. Oder, was noch wahrscheinlicher ist: Sie selbst haben ihre Short-Engagements und Absicherungen gegen einen etwaigen zweiten Kurssturz weiter zurückgedeckt. Zumindest passen zu solchen Käufen eben nur positive Informationen. Und wenn es die immergleichen sein sollten.

Auch die Zahl derjenigen, die hinter der jüngsten Börsenhausse auch die gestiegene Nachfrage von Privatanlegern vermuten, hat zugenommen. Insofern kann ich es verstehen, dass ein Kommentator gestern von der Entwicklung des US-Verbrauchervertrauens für den Monat Mai (Conference Board) enttäuscht war, als dieses mit 86,6 minimal schlechter als von den Ökonomen im Median erwartet ausgefallen war – (die Bandbreite der Schätzungen reichte von 74,0 bis 96,0). Angesichts der gestiegenen Aktienkurse sei das doch ein bisschen wenig, so der Tenor.

Bearishe Gedanken an den Aktienmärkten würden bestraft, resümierte gestern ein Ökonom. Zumindest scheinen sie nicht angebracht zu sein. Ob die Pessimisten tatsächlich aufgegeben haben, wird die heutige Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt am Nachmittag möglicherweise zutage fördern. Was die Position des Euro angeht, bleibt diese positiv, wenngleich ohne deutlichen Trend. In diesem Zusammenhang darf nunmehr 1,0890 nicht mehr unterlaufen werden.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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