Dollar am Morgen Märkte

Begehrtes Fleisch

von Joachim Goldberg am 12. Mai 2020

EUR USD (1,0810)             „Gerade noch rechtzeitig“, dachte ich, als ich vor dem ins Bettgehen am Sonntag einen letzten Blick auf die News des Tages warf. Denn dort fiel mein Blick auf einen Artikel im Wall Street Journal, der sich am späten Sonntagabend (MESZ) zur Markteröffnung gleich zu Wochenbeginn mit Fed-Chef Jerome Powell befasste. Und die Überschrift des Artikels stellte sofort klar: Die US-Notenbank wird wahrscheinlich keine negativen Leitzinsen in Betracht ziehen. Trotz gegenläufiger Signale, die sich in der vergangenen Woche aus der Entwicklung der Fed Funds Futures ergaben. Dort zeichnete sich nämlich zeitweise eine Tendenz ab, die den Schluss nahelegte, es könne in den USA im Januar 2021 womöglich zu Fed Funds mit einem negativen Vorzeichen kommen.

 

Gegen US-Negativzinsen

Der Beitrag stellte vermutlich deswegen ausführlich die Argumente gegen einen Zinsschritt der Fed in negatives Terrain dar, weil sich Jerome Powell am Mittwoch im Rahmen eines Online-Seminars für das Peterson Institute for International Economics nicht nur zum Ausblick der US-Wirtschaft äußern wird. Vielmehr ist davon auszugehen, dass er sich außerdem explizit gegen negative Zinsen aussprechen wird. Eine Position, die keineswegs überraschen dürfte, gelten doch der Fed-Chef und seine Kollegen im Offenmarktausschuss mehrheitlich nicht als Freunde negativer Leitzinsen. Zumal die Notenbank ähnlich wie während der Finanzkrise im Jahr 2008 derzeit andere „Werkzeuge“ bevorzugt. Indes: Auch wenn sich Jerome Powell vehement gegen Negativzinsen aussprechen wird, sollte man einen Schritt in diese Richtung dennoch nicht völlig ausschließen. Zumal es nicht das erste Mal wäre, dass die „Märkte“ der Notenbank Zinsschritte implizit nahegelegt hätten.

 

Grundrecht auf Burger in Gefahr

Aber wir müssen derzeit eben lernen, mit Widersprüchen zu leben. Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da gab es ein Dekret von US-Präsident Donald Trump, in dem er einige wegen der Corona-Krise geschlossene Fleischverarbeitungsanlagen als kritisch für die Infrastruktur einstufte und kurzerhand – entgegen der Warnung von Experten – deren Wiedereröffnung anordnete. Frei nach dem Motto: Jedem Amerikaner seinen Burger.

Nun gab es tatsächlich einige Versorgungsengpässe bei bestimmten Fleischprodukten und teilweise gar Burger-Rationierungen. In den USA ging die Angst um, dass es angesichts Corona-bedingter Schließungen zu größeren Engpässen bei der Fleischversorgung kommen könnte. Indes: Die USA exportieren weiterhin Fleisch[1]. Unter anderem auch nach China. Und waren es nicht Vertreter der Trump-Administration, die China unlängst unmissverständlich und bedrohlich deutlich daran erinnerten, sich an das Handelsabkommen, den Phase-eins-Deal, mit den USA zu halten?

 

Zweischneidiges Handelsabkommen

Ein Handelsabkommen, das vorsieht, dass China unter anderem auch vermehrt Agrarprodukte in Milliardenvolumen von den USA abkaufen soll. Und zwar deutlich mehr als zuvor. Dummerweise gehören zu diesen Agrarprodukten auch Schweine- und Rindfleisch. Man darf gespannt sein, wie dieser Widerspruch zwischen Binnennachfrage, begleitet von massiv steigenden Fleischpreisen auf der einen und stark steigender ausländischer Nachfrage auf der anderen Seite von Donald Trump aufgelöst wird.

Per Saldo hat sich der Dollar gestern auffallend stark erholt und legte gegenüber einem Korb an Währungen, gemessen am Dollar-Index, um mehr als ein Prozent zu. Ein Zuwachs, der gegenüber dem Euro nur teilweise zu Buche schlägt, denn dieser verlor gegenüber dem Greenback lediglich rund 30 Stellen an Wert. Mit anderen Worten: Die Position der Gemeinschaftswährung bleibt unterhalb von 1,0915/20 ganz leicht angeschlagen, aber ohne signifikanten Trend.

  

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

[1] Eine weiter gehende Ausführung zu diesem Thema finden Sie übrigens hier: https://heisenbergreport.com/2020/05/11/if-trump-and-meat-executives-are-so-worried-about-shortages-why-are-they-shipping-americas-pork-to-china/

 

 

 

 

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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