Dollar am Abend Märkte

Trumpsche Rachegelüste gegenüber China

von Joachim Goldberg am 3. Mai 2020

EUR USD (1,0970)             Nun hat also der Euro doch noch vor dem Maifeiertag reagiert und einen deutlichen Sprung nach oben produziert. So stark, dass sogar der kurzfristige Abwärtstrend beendet wurde. Auf den ersten Blick passt diese Entwicklung, die vor allen Dingen am letzten Handelstag im April fast wie eine kleine Short-Squeeze aussah, nicht so recht ins Bild.

 

Christine Lagarde mit ruhiger Hand

Natürlich kann man Christine Lagarde bescheinigen, sie habe als Präsidentin in der ersten rein virtuellen Ratssitzung in der Geschichte der EZB Ruhe ausgestrahlt. Zumal der EZB-Rat darauf verzichtete, das 750 Mrd. EUR schwere Anleihekaufprogramm PEPP auszuweiten. Vorerst zumindest. Aber es wurden neue günstige, langfristige Kredite namens PELTROs[1] sowie niedrigere Zinsen für das bereits bestehende langfristige Kreditprogramm TLTRO III angekündigt – 25 Basispunkte unter dem durchschnittlichen Hauptrefinanzierungssatz (zurzeit -0,25 Prozent).

Zwar ist die EZB im Großen und Ganzen im Rahmen der Erwartungen geblieben, aber die „kleine Zinssenkung durch die Hintertür“, wie Ökonomen die jüngsten Maßnahmen bezeichnet haben, spiegelte sich gar nicht im Kurs des Euro wider.

Aktienmärkte: Am Ende doch noch einen Dämpfer

Aber auch aus Dollar-Sicht fällt es schwer zu erklären, dass dessen größter Tagesverlust sich ausgerechnet an dem Handelstag ereignete, an dem an den Aktienmärkten wieder eine deutliche Risikoaversion zu beobachten war. Gut möglich also, dass die Daumenregel der Akteure, wonach der Dollar im Zuge von Risikoaversion gefragt bzw. bei Risikofreude vorzugsweise verkauft wird, zurzeit ihre Gültigkeit verloren hat.

Tatsächlich mussten die Aktienmärkte, vornehmlich diejenigen in den USA, trotz des höchsten Monatsgewinns im April seit 1987 (gemessen am S&P 500) ab der Wochenmitte doch noch einen deutlichen Dämpfer hinnehmen. Sofort meldeten sich die Anhänger der anderen, berühmten Börsenregel: „Sell in May and go away“ und verwiesen sogleich auf den Beginn des Wonnemonats im Vorjahr, als sich die Aktienkurse ebenfalls am Monatsanfang in Richtung Süden entwickelten.

 

Niemand hat die Absicht …,

Ich bin mir nicht sicher, ob Donald Trump diese Börsenregel kennt, sonst hätte er in der vergangenen Woche nicht bei mehreren Gelegenheiten durchblicken lassen, er werde möglicherweise in Form von neuen Strafzöllen eine Art Vergeltung an China üben. Denn der US-Präsident weist nach wie vor China die Verantwortung am Ausbruch der Corona-Krise zu. Ins gleiche Horn stieß auch der ökonomische Chefberater des Weißen Hauses, Larry Kudlow, in einem CNBC Interview am Freitag. Man braucht sich gar nicht auszumalen, was es für den ohnehin fragilen Zustand der Weltwirtschaft bedeuten würde, wenn zusätzlich zur COVID-19-Krise inmitten einer globalen Depression auch noch das Gespenst eines wiederauflebenden Handelskonflikts zwischen den USA und China umgehen würde.

… die USA absichtlich für zahlungsunfähig zu erklären

Gar nicht beruhigend war in diesem Zusammenhang ein weiteres Statement Kudlows, wonach es die US-Administration keinesfalls in Betracht ziehe, die von China gehaltenen US-Staatsschulden nicht bedienen zu wollen. Dies ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Denn es ist erst wenige Wochen her, dass der US-Senator Lindsey Graham die Idee ins Spiel brachte, die USA könnten womöglich absichtlich eine Staatspleite erklären, um China zu schaden. Natürlich ist ein solcher Schritt unvorstellbar und würde keineswegs China allein, sondern auch alle anderen Gläubiger und somit Halter von US-Staatsanleihen treffen. 

Auch wenn Kudlow betonte, dass der Präsident nichts tun werde, um den Status des Dollar als Reservewährung zu gefährden, wurde einmal mehr deutlich, dass es innerhalb der Trump-Administration (wieder einmal) durchaus Gedankenspiele gegeben haben könnte, missliebige Staaten von den US-Märkten abzuschneiden. Dies alles in Betracht gezogen, sollte es nicht wundern, wenn der Dollar während der vergangenen Tage unter Druck geraten ist. Damit bleibt der Euro bis auf weiteres in stabilem Terrain – zumindest, solange er sich oberhalb von 1,0835 bewegt.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

[1] Pandemic Emergency Longer-Term Refinancing Operations

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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