Dollar am Morgen Märkte

Euro trotz Risikofreude nicht richtig fest

am
29. April 2020

EUR USD (1,0840)             Immer wieder wird behauptet, dass die Entwicklung des Dollar auch ein Spiegel von Risikofreude und -aversion der Marktteilnehmer darstellen würde. Zumindest gefühlt hat das für die vergangenen fünf Handelstage nicht gegolten. Denn die Gemeinschaftswährung befand sich gegenüber dem Greenback zum Schluss der gestrigen europäischen Handelssitzung nur unwesentlich vom Schlusskurs von vor einer Woche entfernt.

Dabei hatten sich gleichzeitig die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks per Saldo prächtig nach oben orientiert. Kurzum: Der Dollar präsentiert sich trotz der Schwäche der vergangenen drei Handelstage immer noch in vergleichsweise guter Verfassung. Und das, obwohl die US-Notenbank – flankiert von der Fiskalpolitik – Stimulus-Programme historischen Ausmaßes in Gang gesetzt hatte. Man könnte auch sagen: Es wurde mit dem Füllhorn Dollars ausgeschüttet.

Heimliche Fed-Hoffnung?

Während in den USA die Zentralbank mittlerweile fast mit der Trump-Administration verschmolzen scheint – zumindest wird die Unabhängigkeit der Fed immer mehr infrage gestellt – gilt dies nicht für die Eurozone. Geld- und Fiskalpolitik ziehen nicht gleichstark an demselben Strang. Insofern ist es bemerkenswert, dass etwa die Aktienmärkte in der Eurozone innerhalb von fünf Handelstagen rund 5 Prozent an Wert gewonnen haben. In den USA war es etwas weniger.

Natürlich kann man trotz aller zuletzt extrem negativ ausgefallenen und für die nahe Zukunft noch zu erwartenden miserablen Wirtschaftsdaten argumentieren, dass an den Finanzmärkten wohl eine bessere Zukunft gehandelt wird. Für diesen Optimismus mag es angesichts der Entwicklungen in der Corona-Krise durchaus berechtigte Gründe geben.

Vielleicht rührt das Kaufinteresse an Aktien auch von der heimlichen Hoffnung her, die US-Notenbank könnte sich bei ihrer heute endenden Sitzung doch noch dazu entschließen, Aktien in ihr Portfolio aufzunehmen. Natürlich betonte gestern Finanzminister Mnuchin in einem CNBC-Interview, es sei äußerst unwahrscheinlich, dass die Fed Aktien kaufen würde. Aber ganz ausgeschlossen sei es eben auch nicht, resümierte folgerichtig ein Kommentator.

 

Zu schlechte Stimmung als Ursache steigender Kurse

Wahrscheinlich gibt es aber auch für die jüngste Rallye an den Aktienmärkten einen ganz anderen Grund. Denn die Mehrheit der Börsianer setzt seit Wochen auf fallende Kurse – gemessen an den jüngsten Stimmungsumfragen (Börse Frankfurt und AAII) gilt dies vor allem in den USA, und zwar in nicht unerheblichem Maße. Gerade dort wurde am vergangenen Donnerstag das negativste Sentiment dieses Jahres festgestellt.

Und so dürfte es angesichts der jüngsten Kurssteigerungen nicht verwundern, wenn es mittlerweile zu größeren Rückkaufaktionen gekommen ist. Mehr Aufschluss darüber könnte die Stimmungsumfrage der Börse Frankfurt geben, deren Ergebnis heute Nachmittag veröffentlicht wird. Mit steigenden Kursen wird es für immer mehr Analysten vorstellbar, dass die Aktienmärkte bereits in diesem Jahr schon wieder neue Allzeithochs erreichen. So als hätte es eine COVID-19-Pandemie mit all ihren ökonomischen Folgen nie gegeben.

Trotz dieser risikofreudigen Vorgaben der Aktienmärkte ist es dem Euro auch gestern nicht gelungen, seinen kurzfristigen Abwärtstrend (Potenzial bis 1,0675) durch Überschreiten von 1,0895/00 zu beenden. Natürlich hat sich das Trend-Momentum derzeit fast in Bewegungslosigkeit verwandelt, so dass auch die gestrige Handelssitzung als Nullnummer verbucht werden muss. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch die Ratingagentur Fitch kam übrigens erst am späteren Abend und hatte nur wenig Einfluss auf den Euro. Allerdings bleibt die Unterseite vergleichsweise schlecht unterstützt.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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