Dollar am Morgen Märkte

Vier starke Impulse für den Euro

von Joachim Goldberg am 31. März 2020

EUR USD (1,1015)             Ein in vielerlei Hinsicht denkwürdiges Quartal geht heute zu Ende. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie mit all ihren menschlichen Opfern. Deren ökonomische Auswirkungen lassen sich – genau genommen – bislang bestenfalls ansatzweise erkennen. Während die globalen Aktien- und Anleihemärkte in der zweiten Hälfte des Quartals auf die weltweite Bedrohung durch Corona mit massiven Ausschlägen reagierten, die mit denen der Finanzkrise des Jahres 2008 verglichen werden können, ist mittlerweile auch Bewegung in den Euro gekommen. Und zwar geriert er sich seit Anfang Februar zunehmend volatiler.

 

Starke Impulse ohne Korrektur

Seither ließen sich vier größere Kursentwicklungen beobachten, die deutlich aus dem Rahmen der niedrigen Volatilität während der Monate zuvor herausfallen. Dabei war der Euro im Verhältnis zum Dollar letztlich nicht einmal durch gewachsene Trends, sondern durch massive Kapitalströme mit direktionaler Wirkung bewegt worden. Denn die vier stärkeren Impulse weisen, jeder für sich genommen, ein deutliches Momentum auf, ohne dass es zwischenzeitlich zu nennenswerten Korrekturen gekommen wäre. So etwa die erste deutliche Abwärtsbewegung des Euro von Monatsanfang bis zum 20. Februar, die einer steigenden Dollar-Nachfrage aufgrund von gewachsener Risikoaversion infolge der Corona-Krise geschuldet war. Eine Risikoaversion, die sich an den Aktienmärkten bis dahin fast nicht niedergeschlagen hatte.

 

Carry Trades samt Rückabwicklung

Zum anderen wurden aber auch ein Anstieg sogenannter Carry Trades als Ursache für die Euro-Schwäche genannt, für die sich die Akteure zunehmend in Euro verschuldeten, um mit dem Gegenwert Investments in rentableren Valuten/Engagements zu tätigen. Von den 13 Handelstagen während dieses Zeitraums beendete der Euro lediglich zwei Sitzungen mit einem jeweils winzigen Kursgewinn.

Ab dem 20. Februar konnte zwar noch niemand ahnen, dass die Aktienmärkte viel mehr als eine deftige Korrektur erleben würden. Aber in der Folge der Kursstürze wurden besagte Carry Trades wieder aufgelöst, und die Gemeinschaftswährung legte innerhalb von zwölf Handelstagen eine rasante, nahezu ungebremste Rallye bis auf knapp 1,15 USD zurück.

 

Dollar-Finanzierungsstress und dessen Auflösung

Der dritte Impuls machte die Kursgewinne aus dieser Rallye mehr als zunichte und sorgte für einen Kursverlust des Euro von knapp 8 Prozent innerhalb von neun Tagen. Ursache: Der Greenback war durch einen zunehmenden Dollar-Finanzierungs-Stress im Zuge der Turbulenzen an den Finanzmärkten stark nachgefragt. Aber die US-Notenbank konnte schließlich durch ihre geldpolitischen Maßnahmen für eine nachhaltige Entspannung sorgen, so dass sich der Euro innerhalb von einer Woche in seinem vierten Impuls soweit erholen konnte, dass mehr als die Hälfte des davorliegenden Kursverlustes wieder wettgemacht wurde.

Tatsächlich ist der Euro bis zum gestrigen Handelsschluss dann wieder etwas zurückgefallen und notierte in der Nähe des wahrscheinlichen durchschnittlichen Einstandspreises von 1,0980, den unser verhaltensorientiertes Computer-Modell für mittelfristig orientierte Akteure errechnet hatte. Die Gemeinschaftswährung bleibt indes weiterhin stabil, aber noch ohne echten Trend, solange sie sich oberhalb von 1,0890 bewegt.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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