Dollar am Morgen Märkte

Die doppelte Null – und keine Lösung in Sicht

von Joachim Goldberg am 17. Februar 2020

EUR USD (1,0830)             Auch zum Wochenschluss hat es keine Erholung für den Euro gegeben. Überhaupt hat man hat das Gefühl, dass sich die schwarzen Wolken über dem Euro nicht verziehen wollen. So konnte nur einer der vergangenen zehn Handelstage mit einem (sehr überschaubaren) Gewinn abgeschlossen werden. Und das, obwohl die US-Amerikaner wegen des heutigen Presidents‘ Day vor einem verlängerten Wochenende standen. Aber es bedurfte offensichtlich keiner Positionsglattstellungen, zumal positive Überraschungen für die Gemeinschaftswährung über das Wochenende nicht zu erwarten waren. Aber eines ist jedenfalls auch bemerkenswert: Zum ersten Mal, seit der Ausbruch des Coronavirus in den Medien stärkere Beachtung fand (ca. 19. Januar), gab es keine nennenswerten Verluste an den US-Aktienmärkten, die aus wochenendbedingten Positionsglattstellungen herrührten.

 

Magische Null

Nun war auch der vergangene Freitag nicht dazu angetan, neues Vertrauen in Sachen Euro aufzubauen. Zwar war die erste Revision des Wachstums in der Eurozone im vierten Quartal 2019 (unverändert +0,1 Prozent gegenüber Vorquartal) ohnehin nicht der Rede wert. Stärker ins Gewicht fiel, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im selben Quartal gegenüber dem Vorquartal nur stagnierte. Vordergründig lag diese Null minimal unter der Medianprognose der Ökonomen. Aber die Bandbreite der Vorhersagen reichte ohnehin von -0,3 bis +0,2 Prozent, was angesichts der miserablen Dezember-Zahlen beim Auftragseingang der Industrie und der Industrieproduktion eine positive Überraschung ohnehin fast unmöglich machte. Indes: Es hätte schlimmer kommen können.

 

Technische Rezession nicht vor den August-Zahlen möglich

Man muss sich nur einmal vorstellen, was passiert wäre, wenn das Ergebnis für das vierte Quartal ein negatives Vorzeichen gehabt hätte. Angesichts eines möglicherweise ebenfalls nicht erbaulichen ersten Quartals 2020 mit negativen Wachstumsvorzeichen – etwa aufgrund der Coronavirus-Epidemie – wäre spätestens im Mai die Voraussetzung einer technischen Rezession gegeben gewesen. So aber hat Deutschland mindestens bis August dieses Jahres Zeit, also bis der Beweis einer solchen Rezession (zwei negative BIP-Quartale hintereinander) erbracht ist. Womöglich ein Grund mehr für Finanzminister Scholz, an der schwarzen Haushaltsnull festzuhalten. Denn bevor man überhaupt nur einen Gedanken hierzulande an einen fiskalischen Stimulus verschwendet, muss zumindest der Rezessions-Beweis erbracht worden sein. Ein Stimulus, wie ihn EZB-Chefin Lagarde erst in der vergangenen Woche indirekt angemahnt hatte.

Wie bereits an den Handelstagen zuvor erkennbar, litt der Euro vor dem Wochenende vor allen Dingen an seiner eigenen Schwäche, auch gegenüber anderen Valuten. Der Dollar ging nämlich per Saldo (gegenüber dem Dollar-Index) praktisch unbewegt aus dem Markt. Dafür mögen widersprüchliche US-Wirtschaftsdaten ursächlich gewesen sein. So enttäuschten zunächst die Zahlen zur US-Industrieproduktion für Januar leicht, aber diejenigen zu den Einzelhandelsumsätzen im gleichen Monat schon etwas deutlicher. Vor allem in der Kernrate, der sogenannten Kontrollgruppe. Aber spätestens nach Publizierung der Zahlen zum Verbrauchervertrauen der Uni Michigan war klar, dass der US-Konsument derzeit, was die Stimmung angeht, so gut wie zuletzt im März 2018 „drauf war“. Nur 7 Prozent ließen sich hinsichtlich ihrer ökonomischen Erwartungen Anfang Februar von der Gefahr einer möglichen Corona-Epidemie beeindrucken.

 

Stimulus für US-Aktienkultur vs. Bremse hierzulande

Während wir hierzulande mit einer schwarzen Null und Stagnation sowie einer drohenden Finanztransaktionssteuer auf Aktien zu kämpfen haben, zeigte US-Präsident Donald Trump zum Wochenschluss, was er in den USA stattdessen möglicherweise zu tun gedenkt: Um den Anteil der Haushalte, die sich im Aktienmarkt engagieren, zu erhöhen, soll neben den traditionellen Beiträgen zur Altersversorgung 401 (k) ein weiterer Teil des Haushaltseinkommens von Privatpersonen steuerfrei bleiben. Und zwar sofern dieser Teil in Aktien angelegt wird. Voraussetzung dafür allerdings wäre dummerweise eine Wiederwahl von Donald Trump.

Unterdessen verbleibt der Euro in seinem kurzfristigen Abwärtstrend mit Potenzial bis 1,0755/60, möglicherweise auch tiefer. Eine erste Stabilisierung wäre aus heutiger Sicht nun nach Überschreiten von 1,0940 möglich. Ein Blick auf die jüngsten CFTC-Daten zu den spekulativen Positionierungen an der Chicagoer Terminbörse zeigt übrigens, dass ein Trend zu Euro-Shortpositionen besteht. Allerdings noch in überschaubarem Ausmaß und weit entfernt von hohen Short-Positionierungen früherer Jahre. Doch, Vorsicht: Diese am Freitag publizierten Daten sind wie immer fast eine Woche alt und auch nicht immer repräsentativ für den Gesamtmarkt.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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