Dollar am Morgen Märkte

Warten auf neue Auslöser

von Joachim Goldberg am 20. Januar 2020

EUR USD (1,1095)             Nein, die vergangene Handelswoche war wieder einmal nichts für Euro-Händler. Auch wenn die Gemeinschaftswährung nun die dritte Woche hintereinander gegenüber dem US-Dollar mit einem Minus beschlossen hat, ist der Wechselkurs weit davon entfernt, einen Trend zu begründen. Und jedes Mal, wenn sich ein wenig Dollarschwäche einstellt, nimmt auch der Euro einen neuen Anlauf nach oben. Aber auch das letzte Mal vergebens, wie etwa die vergangenen sieben Handelstage zeigen. Da geht es eine Woche langsam aufwärts und innerhalb von zwei Tagen, wie zuletzt geschehen, wird dann alles wieder zunichte gemacht.

Und wer sich gar auf die so gern ebenso von Kommentatoren wie von Profis zitierte (von mir als weitgehend als nicht so wichtig erachtete) 200-Tage-Linie verlassen hat (vgl. HIER), deren Überqueren angeblich eine neue Trendrichtung angeben soll, musste nun – je nach Referenzkurs – allein während der vergangenen beiden Monate mindestens drei Fehlsignale hinnehmen. Ein Kommentator brachte es auf den Punkt: Die Hauptwährungen brauchen einen neuen Auslöser, neue Themen, um einen nachhaltigen Trend zu begründen. Was das sein könnte, scheint allerdings unklar. Und die niedrige implizite Volatilität bei EUR/USD deutet darauf hin, dass die Zahl größerer Schieflagen überschaubar ist.

Der nicht enden wollende Bullenmarkt

Während also die Devisenhändler in Ermangelung guter Storys im Dunkeln tappen, gilt dies nicht für die bullishen Teilnehmer an den Aktienmärkten, insbesondere in den USA. Dort markierte etwa der breitgestreute S&P 500 am vergangenen Freitag das achte Allzeithoch hintereinander. Während bei den Devisenhändlern das in der vergangenen Woche unterzeichnete Teilabkommen zwischen den USA und China wenig richtungsweisend war, musste es bei vielen Kommentatoren als Haupttreiber für die nicht enden wollende US-Aktienhausse herhalten. Obwohl man sich vielerorts darüber einig war, dass das Abkommen nicht viel mehr als einen Waffenstillstand im Handelskonflikt bedeutet.

Aber eigentlich ist es zweitrangig, ob die Aktienkurse wegen der zuletzt immer wieder zitierten überbordenden Liquiditätssituation in den USA steigen oder weil Investoren aus dem Bauch heraus bereit sind, für Aktien immer höhere Preise zu bezahlen. Dabei war die Lage in den vergangenen zwölf Monaten für viele Akteure längst nicht so eindeutig, wie es heute aussieht. Tatsächlich gab es mindestens drei Situationen im vergangenen Jahr, bei denen man sich vielerorts irriger Weise in großem Stil in Hinblick auf eine große Korrektur, wenn nicht gar einen Crash positioniert hatte. Es sind nicht zuletzt die daraus resultierenden Shortsqueezes, die den Aufwärtstrend befeuert haben.

 

Verbranntes Geld

Natürlich kommt auch noch hinzu, dass Absicherungen gegen Kursrückgänge trotz vergleichsweise niedriger Optionsprämien im Zuge neuer historischer Höchstkurse ex-post wie sinnlos zum Fenster hinaus geworfenes Geld aussehen. Und wer heute Kasse machen möchte, sieht sich gleich zwei Problemen gegenüber: Wohin mit dem freigewordenen Geld? Oder man muss dem Aktienmarkt am Ende doch noch (zurzeit nur zu höheren Kursen) hinterher laufen, um eine bessere Rendite als auf dem Giro-bzw. Sparkonto zu erwirtschaften? Womöglich auch nur, weil andere mit Aktien weiter Geld verdienen.

Aber zurück zum Euro, über den man sich offenbar weniger Gedanken machen muss. Weil die Gemeinschaftswährung angeschlagen bleibt, solange 1,1180/85 nicht überwunden wird. Vielleicht bringt ja auch das Weltwirtschaftsforum in Davos, das vom 21. bis 24. Januar stattfindet, neue Impulse. Am heutigen landesweiten US-Feiertag, dem Martin Luther King’s Day, bleiben unterdessen Banken und Börsen geschlossen.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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