Dollar am Abend Märkte

Es wird schwieriger

von Joachim Goldberg am 14. November 2019

EUR USD (1,1000)             Gering dürfte die Zahl derer gewesen sein, die sich von der gestrigen Rede Jerome Powells vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses tatsächlich etwas Neues, Wegweisendes in Sachen Geldpolitik erwartet hatten. Wie schon häufiger in der jüngeren Vergangenheit vermied es Powell, durch unbedachte Wortwahl irgendwelches Porzellan zu zerschlagen.

Für den Fed-Präsidenten bleibt die US-Wirtschaft in guter Verfassung, und gäbe es da nicht das träge Wachstum im Ausland und die unklare Entwicklung im Handelskonflikt zwischen den USA und China, wäre die Welt der Notenbank wohl in Ordnung. Auch überraschte es gestern niemanden mehr, als Powell betonte, die Notenbank werde reagieren, falls es zu einer wesentlichen („material“) Veränderung des ökonomischen Ausblicks kommen sollte. Wobei eigentlich immer noch nicht klar ist, was unter „wesentlich“ genau zu verstehen ist.

Nichts Neues von Powell

Nur so viel ist sicher: Die Fed wird, wie ich schon HIER einmal schrieb, asymmetrisch reagieren. Und zwar schneller auf Ereignisse, die sich negativ auf den ökonomischen Ausblick auswirken könnten, als auf Positives. Insofern sollte es auch niemanden verwundern, dass die Finanzmarktakteure auf die Publizierung der US-Konsumentenpreise für Oktober kaum reagierten. Der Zuwachs beim Konsumentenpreisindex blieb in der Kernrate mit einem Plus von 2,3 Prozent (ggü. Vorjahr) geringfügig hinter der Medianerwartung der Ökonomen zurück und liegt damit sogar über dem von der Fed ausgerufenen Ziel von 2 Prozent. Indes: Die US-Notenbank bevorzugt ein anderes Inflationsmaß, den Index der privaten Konsumausgaben (PCE).

Während der Eurohandel gestern scheinbar fast zum Erliegen kam, galt das Hauptinteresse der Kommentatoren ohnehin der Entwicklung an den Aktienmärkten. Es könne schwierig werden, so der Tenor einiger Analysten. Und das klang ganz anders, als dies etwa die vorgestern veröffentlichte Umfrage von BofA Merrill Lynch noch durchblicken ließ. Danach haben die internationalen Fondsmanager Angst, einen bullishen Aktienmarkt zu verpassen. Aber das war vor einer Woche per 7. November, zu einem Zeitpunkt, als viele Akteure noch an einen schnellen Abschluss der „Phase eins“, einem Teilabschnitt im US-chinesischen Handelsstreit glaubten.

 

Buy the rumour, sell the fact

Seither hatte US-Präsident Donald Trump immer wieder durchblicken lassen, dass er sich für eine Zusage zu einem Deal mit China möglicherweise viel mehr Zeit einräume, als dies von den Finanzmarktakteuren derzeit erwartet wird. Jetzt ist es natürlich gut möglich, dass Trump mit dieser Andeutung, dass ein Deal zwar kurz vor dem Abschluss stehe, er aber noch nicht wisse, wann er diesem zustimme, eine gezielte Taktik verfolgt. Sollte er dieses Geplänkel allerdings zu sehr in die Länge ziehen, werden die Aktienbullen wahrscheinlich nervös werden und versuchen, ihre Gewinne festzuschreiben.

Ähnliches erwarte ich auch, wenn es tatsächlich zu einem kleinen „Deal“ zwischen den USA und China kommen sollte, verbunden mit einer Aufhebung der für den 15. Dezember geplanten Handelszölle. Dies ist alles schon längst eingepreist, so dass eine mögliche Verkündigung der „frohen Botschaft“ zu entsprechenden Positionsglattstellungen nach dem Motto „buy the rumour, sell the fact“ führen dürfte.

Unterdessen haben sich Euro-Pessimisten auch gestern abgemüht, die Gemeinschaftswährung stärker unter Druck zu setzen. Aber das trendauslösende Niveau von 1,0985/90 an der Unterseite scheint potentiellen Verkäufern wie ein riesiger Felsbrocken im Wege zu stehen. Durch die nun bereits vier Handelstage andauernden Versuche der Akteure, den Euro per Saldo gerade einmal 20 Stellen (gemessen an den Tagestiefs) nach unten zu treiben, ist das entscheidende Euro-Angebot an besagter Stelle womöglich soweit aufgebraucht, dass es am Ende gar nicht mehr zu einem neuen kurzfristigen Abwärtstrend, sondern nur noch für eine Fehlentwicklung („false break) reichen könnte. Die latente Schwächephase des Euro ist auf der anderen Seite nach Überschreiten von 1,1105/10 beendet.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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