Dollar am Morgen Märkte

Großes Quantum Optimismus bereits eingepreist

von Joachim Goldberg am 11. November 2019

EUR USD (1,1015)             „Risikofreude“ hieß das Motto der vergangenen Handelswoche. Eine Risikofreude der Finanzmarktakteure, die nun bereits seit einiger Zeit die Märkte bewegt und die sich in erster Linie auf die verbesserten Aussichten für eine Teillösung im US-chinesischen Handelskrieg zurückführen lässt. Hinzu kommen die zuletzt vor allen Dingen in der Wahrnehmung der Marktteilnehmer besser als erwartet ausgefallenen US-Fundamentaldaten.

Die gestiegene Risikofreude schlug sich am Freitag nicht einmal so sehr im US-Aktienmarkt nieder, der sich, gemessen am breit gestreut S&P 500 Index, im Wochenvergleich gerade einmal um 0,9 Prozent befestigte. Dagegen konnte der heimische DAX mit einem Zuwachs von 2 Prozent etwas mehr brillieren. Ein Plus, das wahrscheinlich nicht in erster Linie auf eine große Euphorie heimischer institutioneller Investoren (vgl. HIER) zurückzuführen ist. Vielmehr dürfte es sich um einen verspäteten Einstieg vieler Akteure in den Bullenmarkt (Stopp-Loss Kapitulationen) gehandelt haben. Für US-Anleger relativiert sich der ähnlich hohe Zuwachs bei Aktien der Eurozone ohnehin. Denn der Euro ist im gleichen Zeitraum gegenüber dem Greenback um 1,4 Prozent gefallen und hat damit den Kursanstieg der Vorwoche mehr als zunichte gemacht: Auf fünf positive Handelstage folgten für den Euro fünf negative. Besonders markant fiel unterdessen der Kursrückgang bei den US-Staatsanleihen aus, wo die Rendite der Titel mit zehnjähriger Laufzeit folgerichtig während der vergangenen Woche um rund 20 Basispunkte anzog.

Nicht zu vernachlässigendes Enttäuschungspotenzial

Bei all der Euphorie drängt sich einem fast der Verdacht auf, dass die Akteure möglicherweise zu viel von diesem Finanzmarkt-Aphrodisiakum zu sich genommen haben könnten. Zumindest scheint die Erwartung, dass es zumindest zu einem Teilabkommen im US-chinesischen Handelskrieg kommen wird, nun weitgehend eingepreist. So erwarten dies fast zwei Drittel der von BofA Merrill Lynch befragten Fondsmanager in einer Umfrage vom 1. bis 6. November. Ein Teilabkommen, das mindestens die Beseitigung der für den 15. Dezember angesetzten US-Strafzölle in Höhe von 15 Prozent beinhaltet. Lediglich 20 Prozent der Befragten befürchten einen schlechteren Deal (inklusive negativer Auswirkungen auf die Finanzmärkte) und weitere 6 Prozent gehen davon aus, dass es gar nicht erst zu einer Einigung kommen wird.

 

Uneinige Trump-Administration

Und so wundert es auch nicht, dass bei all dieser positiven Stimmung eine negative Reaktion auf Donald Trumps Statements gegenüber Reportern am vergangenen Freitag recht verhalten ausfiel. Konnte man noch an den Tagen zuvor angesichts der positiven Medienberichte davon ausgehen, dass sich Washington und Peking über eine schrittweise Beseitigung der Strafzölle geeinigt hätten, schien der US-Präsident am Wochenende längst nicht so weit zu sein.

So ist keineswegs klar, um welche Strafzölle es bei der angeblichen schrittweisen Beseitigung gehen wird, zumal Trump äußerte, dass er die Strafzölle für China nicht komplett zurücknehmen würde. Ganz zu schweigen davon, dass man sich innerhalb der Trump-Administration über den Umfang derartiger Schritte nicht einig zu sein scheint. Denn die Befürchtung besteht vor allem bei den Falken unter Trumps Beratern, etwa Peter Navarro, dem Chef des Nationalen Handelsrats, dass die USA mit der Rückabwicklung der Zölle ein wertvolles Druckmittel für die Verhandlungen mit China aus der Hand geben würden. Kurzum: Das Risiko einer Enttäuschung der Marktteilnehmer ist höher als die Chance auf eine weitere positive Überraschung.

Dass der Euro in der abgelaufenen Handelswoche gegenüber dem Dollar unter Druck geriet, kann auch auf die veränderten Leitzinserwartungen vieler Marktteilnehmer zurückzuführen sein. Betrug die implizite Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinssenkung von 25 Basispunkten im Dezember (vgl. CME FedWatch-Tool) zu Anfang des Monats noch rund 12 Prozent, war diese am Freitag auf rund 4 Prozent gefallen. Vor einem Monat betrug diese Wahrscheinlichkeit noch rund 43 Prozent. Und so beschloss der Euro die Handelssitzung auf dem bislang niedrigsten Kurs des Monats und bleibt auch weiterhin unter Druck. Ein Druck, der unterhalb von 1,0990/95 in einen kurzfristigen Abwärtstrend münden würde. Eine Stabilisierung ist indes erst oberhalb von 1,1115/20 zu erwarten.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

 

Wegen eines US-Feiertages erscheint die nächste Ausgabe von Dollar am Morgen erst am Mittwoch.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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