Dollar am Morgen Märkte

Wo bleibt das Positive?

von Joachim Goldberg am 10. Oktober 2019

EUR USD (1,0990)             Man meinte sie förmlich zu hören, die innerlichen Hurra-Rufe etlicher Finanzmarktteilnehmer, als gestern bekannt wurde, dass China im Vorfeld der heute beginnenden US-chinesischen Verhandlungen zur Beilegung des Handelskonflikts eine Geste des guten Willens zeigte. Wieder einmal. Und wie sehr insbesondere die Teilnehmer an den Aktienmärkten nach guten Nachrichten im Handelskonflikt geradezu lechzen, belegt beispielsweise die gestrige Meldung, in der es zunächst hieß, die Delegation um den chinesischen Vizepremier Liu He beabsichtige, zusätzlich Agrarprodukte in Höhe von 10 Mrd. USD von den USA abzukaufen. Was sich jedoch schnell als falsch herausstellen sollte. Denn tatsächlich geht es um eine Erhöhung der bereits jährlichen Käufe von Sojabohnen von 20 auf 30 Millionen Tonnen. Eine Erhöhung, die tatsächlich einem Auftragswert von nur etwa 3,25 Mrd. USD entspräche.

 

Widersprüchliche Meldungen

Die Meldung sorgte einmal mehr für steigende Aktienkurse, die sich jedoch selbst nach der Berichtigung nur noch unwesentlich zurückbildeten. Dabei gab es doch zumindest gefühlt schon mehrere Sojabohnenkäufe in diesem Jahr – ein Entgegenkommen Chinas, das bislang ohne positiven Einfluss auf die Verhandlungen im Handelskonflikt blieb. Aber die Marktteilnehmer hoffen offenbar selektiv – trotz aller miserablen Rahmenbedingungen –, dass diese Geste als Basis für ein Teilabkommen mit den USA dienen könnte. Ganz nach dem Vorbild des ersten Teilabschlusses eines Handelsabkommens zwischen den USA und Japan in der vergangenen Woche. Und in der Hoffnung, dass die schon einmal verschobene Erhöhung der US-Strafzölle auf China-Importe (vom 1. auf den 15. Oktober) noch ein weiteres Mal auf Eis gelegt wird.

Gestern Nacht gab es dann teilweise widersprüchliche Meldungen zur möglichen Entwicklung des US-chinesischen Treffens in Washington. Gerüchteweise hieß es zwischendurch auch, dass die chinesische Delegation bereits heute, also früher als geplant, wieder aus Washington abreisen würde.

 

Fed-Protokoll ohne Reiz

Darüber hinaus gab es gestern noch das Protokoll der vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) zu begutachten. Dieses enthielt allerdings keine marktbewegenden Elemente. Indes: Einige FOMC-Mitglieder wollten den Leitzins – entgegen dem späteren Beschluss, die Zielzone für die Fed Funds um 25 Basispunkte zu senken – eigentlich nicht verändern. Auch gab es Bedenken, dass die Marktteilnehmer stärkere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen als eigentlich angemessen eingepreist hätten. Kurzum: Die Zinssenkung im September kam trotz des zögerlichen Verhaltens einiger FOMC-Mitglieder zustande. Aber weitere Zinssenkungen schienen Stand 17./18. September keineswegs mehrheitlich wünschenswert oder gar gesichert.

Der Euro bewegte sich auch im Anschluss an die Publizierung des FOMC-Protokolls so gut wie gar nicht und produzierte gestern erneut nur eine enge Handelsspanne (40 Stellen), aber heute früh mit einer leicht positiven Note. Der kurzfristige Abwärtstrend zwischen 1,1035 und 1,0835/40 bleibt zwar pro forma erhalten, zeigt aber praktisch kein Momentum mehr.

 

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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