Dollar am Morgen Märkte

Große Delegation weckt große Hoffnungen

von Joachim Goldberg am 9. Oktober 2019

EUR USD (1,0965)             Es sind keine großen Reaktionen, die sich gestern an den Währungsmärkten ereigneten. Aber es ist schon bemerkenswert, wenn der Dollar gegenüber den typischen Fluchtwährungen Schweizerfranken und Yen in einem ausgesprochen ruhigen, wenn nicht gar bewegungslosen Markt plötzlich an Wert gewinnt. Und zwar angeblich, weil China bekanntgab, zur 13. Runde der Handelsgespräche mit den USA eine seiner bisher größten Delegationen nach Washington schicken zu wollen. Als ob die schiere Größe schon den positiven Ausgang der Verhandlungen zwischen China und den USA garantieren würde. Immerhin: China scheint die Verhandlungen ernst zu nehmen. Zumindest hob sich eine derartige Meldung gestern scheinbar wohltuend als Kontrast zum ansonsten pessimistisch anmutenden Nachrichtenstrom in Sachen Handelskonflikt ab.

 

Sanktionsliste dämpft Optimismus

Denn die Optimisten unter den Marktteilnehmern, die immer noch auf ein positives Ende der Verhandlungen im Handelskonflikt hoffen, bekamen bereits vorgestern Nacht nach Handelsschluss erneut einen Dämpfer: Die Trump-Administration setzte unter anderem acht chinesische Technologie-Riesen – angeblich wegen Verletzung von Menschenrechten gegen muslimische Minderheiten – auf eine schwarze Liste. Unternehmen, die ohne besondere Erlaubnis der US-Regierung keine Geschäfte mehr mit amerikanischen Unternehmen abschließen dürfen. China kündigte bereits Vergeltung an.

Aber auch ein anderes Thema stand gestern plötzlich wieder auf der Tagesordnung. Und zwar erneut die mögliche Beschränkung US-amerikanischer Kapitalströme in Richtung China. Dabei ist es gerade einmal etwas mehr als eine Woche her, dass der Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, Medienberichte bezüglich geplanter Investitionsbeschränkungen Chinas als „Fake News“ zurückgewiesen hatte.

 

Investitionsbeschränkungen doch keine Fake News?

Zwar scheint es dem Vernehmen nach derzeit keine Pläne zu geben, chinesische Aktien vom Handel an den US-Börsen auszuschließen. Aber gestern machten Medienberichte die Runde, wonach im Weißen Haus nach wie vor erwogen wird, Investments von staatlichen US-Pensionskassen bei chinesischen Unternehmen zu beschränken. Gespräche, die übrigens bereits in der vergangenen Woche stattgefunden haben sollen. Damit wird es immer schwerer vorstellbar, wie es angesichts eines derartigen Setups überhaupt noch zu irgendwelchen kleineren Teilverträgen zwischen den USA und China kommen kann. Dennoch scheint es unter den Finanzmarktakteuren immer noch Optimisten zu geben, die sich vorstellen können, dass die für den 15. Oktober geplante Erhöhung der US-Strafzölle auf China-Importe als Geste des guten Willens noch einmal verschoben werden könnte.

Immerhin gab es gestern aus den USA neue ökonomische Daten für September zu vermelden. So blieb der Produzentenpreisindex deutlich unter den Werten des Vormonats und den mittleren Erwartungen der Ökonomen zurück. Die Kernrate des Index ist dabei von 2,3 auf 2,0 Prozent gesunken und dürfte etwaige positive Erwartungen auf den am Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden Konsumentenpreisindex dämpfen. Der Dollar geriet allerdings wegen dieser Daten gestern nicht unter Druck. Im Gegenteil. So schaffte es der Euro auch den vierten Tag hintereinander nicht, die nächste Hürde an der Oberseite bei 1,1005 auch nur ansatzweise in Angriff zu nehmen. Stattdessen gab es einen kleinen Rücksetzer im Rahmen des kurzfristigen Abwärtstrends, der zwischen 1,1040 und 1,0835/40 verläuft und fast kein Momentum aufweist.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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