Dollar am Morgen Märkte

Ökonomisch nicht auf Kurs

von Joachim Goldberg am 1. Oktober 2019

EUR USD (1,0890)             Nun liegt das dritte Quartal des Jahres hinter uns, und es deutet einiges darauf hin, dass 2019 womöglich das Jahr mit der geringsten Bandbreite des Euro gegenüber dem Dollar seit dessen Einführung werden könnte. Wir sprechen von einem Handelsband von bislang fast 6 Prozent – dabei fällt das dritte Quartal mit einem glatten Minus von 4,3 Prozent sogar etwas aus dem Rahmen. Und gestern markierte der Euro sogar ein marginal niedrigeres Jahrestief; den niedrigsten Kurs seit Mai 2017 übrigens.

Ursache für die jüngste Schwäche der Gemeinschaftswährung soll ein Reuters-Bericht sein, wonach sogenannten Quellen zufolge Deutschlands führende Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsvorhersagen am morgigen Mittwoch noch einmal senken werden. Demzufolge soll Deutschlands Wirtschaft in diesem Jahr nur noch 0,5 Prozent statt 0,8 Prozent – wie zuletzt prognostiziert – wachsen. Und auch für das kommende Jahr soll die Projektion von 1,8 Prozent im April nunmehr auf 1,1 Prozent gesenkt worden sein.  Deutschland scheint also ökonomisch nicht auf Kurs zu sein.

Was nüchterne Zahlen aus Deutschland angeht, gab es zumindest bei den Einzelhandelsumsätzen, die im Großen und Ganzen für den Monat August wie erwartet ausgefallen waren, eine deutliche Aufwärtsrevision für den Vormonat. Ein kleiner Lichtblick also. Dafür sind auf der anderen Seite die vorläufigen Verbraucherpreise in Deutschland gegenüber dem Vorjahr im September (+1,2 Prozent bzw. plus 0,9 Prozent harmonisiert) niedriger als im Vormonat ausgefallen – auch die Medianerwartung der Ökonomen wurde leicht unterschritten.

Von einer möglichen Eskalation des Handelskrieges zwischen den USA und China, wie sie sich noch am vergangenen Freitag abzuzeichnen schien, war gestern indes an den Finanzmärkten nicht mehr allzu viel zu verspüren. Gut möglich, dass dieses unangenehme Thema durch die Feiern zum 70-jährigen Jubiläum der kommunistischen Machtübernahme in China in den Hintergrund gedrängt wurde.

Unterdessen verblieb der Euro in seinem kurzfristigen Abwärtstrend (1,1065/70 bis 1,0810/20), dessen Momentum trotz des neuen Jahrestiefs nicht wirklich überzeugt. Während die Unterseite sogar mit recht guten Nachfrageniveaus versehen ist, ist die Angebotssituation an der Oberseite bis 1,1065/70 eher als dürftig zu bezeichnen. Mit anderen Worten: Sollte es eine positive Überraschung für den Euro geben, stünde einer kräftigen Korrektur kaum etwas entgegen. Und bereits mit Überschreiten von 1,1005 wäre das Abwärtsmomentum der Gemeinschaftswährung verloren.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

 

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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