Dollar am Morgen Märkte

Falkenhafte Schwingungen

von Joachim Goldberg am 19. September 2019

EUR USD (1,1035)             Die US-Notenbank hat mit ihrer Senkung der Zielzone für Fed Funds um 25 Basispunkte auf 1,75 bis 2,0 Prozent den Erwartungen der Marktteilnehmer entsprochen. Indes: Innerhalb des Offenmarktausschusses (FOMC) ist eine zunehmende Uneinigkeit zu beobachten. Denn es gab beim gestrigen Beschluss drei Abweichler. Zum einen James Bullard (Chef der Fed von St. Louis), der gerne eine Zinssenkung von 50 Basispunkten gesehen hätte. Und auf der anderen Seite – wie bereits bei der Sitzung im Juli – Esther George (Kansas City) und Eric Rosengren (Boston), die beide dafür votierten, den Leitzins unverändert zu belassen. Eine Überraschung gab es allerdings bei den Zinsprognosen, den sogenannten DOT-Plots, bei denen die Mitglieder des Offenmarktausschusses im Mittel keinen weiteren Zinsschritt für das Jahr 2019 vorsehen. Sieben Entscheider gehen allerdings von einer weiteren Zinssenkung von 25 Basispunkten noch in diesem Jahr aus. Auch für das Jahr 2020 wird im Mittel keine Zinssenkung erwartet. Während 8 der 17 Ausschuss-Mitglieder eine weitere Zinssenkung prognostizieren, rechnen 9 Entscheider mit keiner Veränderung oder sogar mit einer Erhöhung der Zinsen. Insgesamt also Prognosen, die falkenhafter ausfielen, als die Erwartungen der Marktteilnehmer es zuletzt hatten vermuten lassen.

 

Leicht erhöhte Wachstumsprognosen

Bei den ökonomischen Vorhersagen für das reale Wirtschaftswachstum wurde die mittlere Prognose für das laufende Jahr 2019 gegenüber der Juni-Vorhersage von 2,1 auf 2,2 Prozent angehoben, während für das Jahr 2020 nach wie vor ein Wachstum von 2,0 Prozent und für 2021 von 1,9 Prozent (Juni 1,8 Prozent) erwartet wird. Die Kerninflation, gemessen am Index der persönlichen Konsumausgaben (PCE), blieb in der Projektion für dieses und die kommenden beiden Jahre wie bereits im Juni in der Medianprognose bei jeweils 1,9, 1,9 und 2,0 Prozent. Auch das Statement des Offenmarktausschusses blieb, abgesehen von der Zinssenkung, praktisch unverändert.

 

Powell legt sich nicht fest

Auch hatten sich viele Analysten angesichts des temporären Sprungs des Overnight-Repo-Satzes auf den Rekordwert von rund 10 Prozent am Dienstag (am Montag bis 8 Prozent) die Einräumung einer expliziten Repo-Linie seitens der Fed oder gar eine Wiederaufnahme der Anleihekäufe zur Kontrolle der kurzfristigen Zinsen erhofft. Aber Jerome Powell machte deutlich, dass die Notenbank auf der einen Seite über die notwendigen Werkzeuge verfüge, um [im Wiederholungsfall] der Volatilität am kurzen Ende Herr zu werden. Zumindest wolle man die Märkte bis zur nächsten Notenbanksitzung beobachten und dann Bilanz ziehen, bevor weitergehende Schritte eingeleitet würden.

Abermals machte der Fed-Chef aber auch deutlich, dass die derzeitige ökonomische Situation nur moderate Adjustierungen bei der Fed Funds-Zielzone rechtfertige und dass er nicht davon ausgehe, dass es sich bei den derzeitigen Zinssenkungen um den Beginn eines langfristigen Zinssenkungszyklus handeln werde. Sollte die Wirtschaft indes schwächer werden, sei eine Serie von Senkungen allerdings angemessen. Damit zeigte sich erneut, dass die Fed auf der Grundlage der ökonomischen Datenlage entscheiden wird und sich nicht auf einem vorbestimmten Weg befindet.

Die Devisenhändler dürften jedenfalls die gestrige Notenbanksitzung unterm Strich als leicht falkenhaft empfunden haben – zumindest konnte sich der Dollar befestigen und sorgte dafür, dass der Euro im Rahmen seines kurzfristigen Abwärtstrends, der nun zwischen 1,1105/10 und 1,0850/55 verläuft, wieder an Boden verlor.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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