Dollar am Morgen Märkte

13 Mal im Minus

am
4. September 2019

EUR USD (1,0970)             Lässt man die Entwicklung des Euro zum Dollar in den vergangenen rund drei Wochen Revue passieren, zeichnet sich ein eindrucksvolles Bild ab. Nicht dass der Kursverlust von 2,5 Prozent in der Spitze während dieses Zeitraums aufsehenerregend gewesen wäre. Vielmehr ist es die Art und Weise, wie er zustande gekommen ist: An 13 von 16 Handelstagen während dieser Zeit hat die Gemeinschaftswährung mit einem Minus abgeschlossen. Wenn man Händler noch vor einigen Tagen gefragt hätte, ob im Euro etwas los sei, hätte man ein Achselzucken als Antwort bekommen. Und als ich am vergangenen Donnerstag zu meiner kleinen Reise aufbrach, ging ich noch davon aus, dass der Wechselkurs auf der Stelle treten würde. Tatsächlich hat sich mehr als die Hälfte des besagten 2,5-prozentigen Kursverlustes seit Donnerstagvormittag vergangener Woche abgespielt. Aber was ist geschehen, was diesen plötzlichen Anstieg des Momentums, verbunden mit einem kurzfristigen Abwärtstrend, rechtfertigen könnte?

 

Doch kein großes Paket?

Natürlich spielen die Erwartungen an die Zentralbankpolitik eine nicht unwesentliche Rolle bei dieser Marktentwicklung. Aber gab es so dramatische Veränderungen? Zumindest, was die Europäische Zentralbank betrifft, entstand gestern der Eindruck, das vieldiskutierte Stimulus-Paket, das von vielen Akteuren für die kommende Ratssitzung am 12. September erwartet wird, könne möglicherweise doch nicht so umfangreich ausfallen wie bisher angenommen. Zumindest nicht auf einen Schlag. Zwar gibt es viele Ratsmitglieder, die ein quantitatives Lockerungsprogramm unterstützen würden, aber einige Falken scheinen längst nicht für ein derartiges Programm bereits zum jetzigen Zeitpunkt bereit zu sein. Einem Medienbericht zufolge, der sich auf mehrere sogenannte Quellen aus EZB-Kreisen beruft, tendieren die geldpolitischen Entscheider in Richtung Leitzinssenkung, möglicherweise verbunden mit einer Staffelung der Negativzinsen (Tiering) sowie einer neuen Forward Guidance (Hinweise auf die längerfristige Ausrichtung der Geldpolitik). Diese Erwartungssteuerung soll sich in Zukunft weniger auf ein bestimmtes Datum, sondern vielmehr auf die Voraussetzungen konzentrieren, unter denen eine erste Zinserhöhung gegeben ist. Indes: Zumindest den Quellen zufolge dauern die Diskussionen an, und anscheinend ist noch nichts entschieden. Aber man kann man dem Medienbericht einen leicht veränderten, falkenhafteren Unterton entnehmen.

 

Zinsen wie in Deutschland

In den USA zeigte US-Präsident Trump wieder einmal in einem Tweet auf, was er von der US-Notenbank erwartet. Und zwar hätte er am liebsten Zinsen wie in Deutschland. Während man von den Fed-Entscheidern Derartiges ohnehin nicht auf mittelfristige Sicht erhoffen kann, haben sich die Markterwartungen seit vergangenem Freitag wieder etwas geändert. So berechnet das CME FedWatch-Tool für eine Zinssenkung von mindestens 25 Basispunkten bei der kommenden Fed-Sitzung eine implizite Wahrscheinlichkeit von rund 93 und für 50 Basispunkte eine von 7 Prozent. Nach diesen Kalkulationen liegt die Wahrscheinlichkeit für mindestens zwei Zinsschritte à 25 Basispunkte bis zum Jahresende nun bei rund 87 bzw. für Zinssenkungen in Höhe von insgesamt 75 Basispunkten bei 41 Prozent – am vergangenen Freitag wurden dafür noch 79 bzw. 30 Prozent berechnet. Gut möglich, dass der ISM- Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA einen gewissen Einfluss auf diese Neubewertung gehabt hat. Denn der Index fiel im August zum ersten Mal seit drei Jahren wieder unter die Schwelle von 50 Punkten, der Trennlinie zwischen wirtschaftlicher Expansion und Schrumpfung.

Immerhin markierte der Euro gestern das niedrigste Niveau seit Mai 2017, konnte sich aber zum Handelsschluss etwas erholen. Ohnehin ist der derzeitige kurzfristige Abwärtstrend nicht besonders stark. Sein Potenzial reicht bis 1,0890/95, wobei das Risiko kräftigerer Erholungen nicht zu unterschätzen ist. Denn gerade in Marktphasen mit nur marginal niedrigeren Tagestiefs reichen kleinere, politisch oder ökonomisch positive Überraschungen aus, um das Trendbild innerhalb kürzester Zeit, manchmal innerhalb von Stunden, deutlich zu stören. In jedem Fall jedoch bleibt der Trend unterhalb von 1,1075/80 intakt.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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