Dollar am Morgen Märkte

Powell war es nicht allein

von Joachim Goldberg am 22. August 2019

EUR USD (1,1080)             Die US-Notenbank stand auch gestern im Zentrum des Interesses vieler Finanzmarktakteure. Aber vermutlich weniger wegen der Veröffentlichung des Protokolls zur Sitzung des Offenmarktausschusses vom 30./31. Juli. Die Aufmerksamkeit gilt vielmehr dem Symposium in Jackson Hole, das heute beginnt. Und rechtzeitig vor Beginn dieser Tagung erhöhte US-Präsident Donald Trump die Schlagzahl seiner Tweets gegen die Fed und insbesondere gegen ihren Präsidenten Jerome Powell. Wenn der doch nur das Richtige täte, so twitterte Trump gestern. Und damit ist natürlich eine große Zinssenkung gemeint. Auch machte Trump die Fed für den angeblich höchsten Dollar-Kurs in der US-Geschichte verantwortlich. Aber jeder, der mit Devisen zu tun hat, weiß natürlich, dass das nicht stimmt – der Greenback ist noch nicht einmal in der Nähe seines Allzeithochs, das er beispielsweise gegenüber dem Euro im Oktober 2000 markiert hatte. Damals notierte der Dollar in der Spitze über 30 Prozent fester als heute.

 

Powell ohne politischen Beistand

Obwohl man ganz genau weiß, dass Trumps Einlassungen zumindest zum Teil unsinnig und unwahr sind, werden diese in den Medien kaum kritisiert. Auch nicht hörbar von den US-Demokraten und naturgemäß noch weniger von den Republikanern. Etwa frei nach dem Motto: Lasst den guten Mann nur reden? Auch Trumps Berater scheinen ihn nicht zu zügeln. Zumindest, das muss man zugeben, hat Trump erreicht, dass sich das Symposium in Jackson Hole ungewohnt hoher Aufmerksamkeit erfreuen dürfte.

Nun wird häufig übersehen, dass der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) in seiner Gesamtheit über die Geldpolitik entscheidet und nicht nur dessen Chef. Aber selbst, wenn man dem als Obertaube geltenden FOMC-Mitglied, Neel Kashkari, folgen wollte, bleibt eine massive Zinssenkung bei der Sitzung der Fed im September wenig wahrscheinlich. Indes: Der in diesem Jahr nicht stimmberechtigte Kashkari machte sich gestern in der FT auf jeden Fall für eine Zinssenkung stark, begleitet von einer „Forward Guidance“ (Hinweise zur längerfristigen Ausrichtung der Geldpolitik). Und zwar bis hin zu dem Commitment der Notenbank, die Zinsen nicht mehr zu erhöhen, bevor die Inflation das [von ihr angestrebte] Ziel erreicht hat.

 

 

„Mid-cycle adjustment“-Idee war mehrheitsfähig

Keineswegs war es die Idee von Fed-Chef Jerome Powell allein, im Anschluss an die vergangene Sitzung des Offenmarktausschusses die Zinssenkung von 25 Basispunkten lediglich als Adjustierung inmitten des laufenden Zyklus („Mid-cycle adjustment“) zu bezeichnen (und nicht als Beginn einer Serie von Zinssenkungen). Das offenbart das gestern publizierte FOMC-Protokoll der Sitzung von Ende Juli. Es waren viele.

Darüber hinaus wurde deutlich, dass über die am Ende beschlossene Zinssenkung keineswegs Einigkeit herrschte. Mehrere Ausschuss-Mitglieder sprachen sich dafür aus, den Leitzins unverändert zu belassen, während sich auf der anderen Seite ein paar Entscheider für einen Zinsschritt von 50 Basispunkten aussprachen, um der schleppenden Inflation Herr zu werden. Letztere gaben sich jedoch nicht formal als Abweichler vom endgültigen Beschluss der Fed, die Zinsen lediglich um 25 Basispunkte zu senken, zu erkennen. Ganz im Gegensatz zu Esther George und Eric Rosengren, die sich seinerzeit explizit gegen die Zinssenkung stellten.

 

Minutes nicht so taubenhaft wie erhofft

Am Ende stellt sich jedoch die Frage, was diese sogenannten „Minutes“ drei Wochen später tatsächlich wert sind. Vor allem angesichts der Tatsache, dass US-Präsident Donald Trump nicht einmal 24 Stunden nach der Notenbanksitzung den Handelsstreit mit China durch die Verkündung von neuen Strafzöllen höchstpersönlich verschärfte.

Damit bleibt auch unklar, welches Gewicht die Notenbank in Zukunft den Risiken, die sich aus dem Handelsstreit und einer sich global abschwächenden Konjunktur ergeben könnten, bei ihrer nächsten Sitzung tatsächlich geben wird. Vor allen Dingen, wenn sich die US-Datenlage unverändert als robust erweisen sollte.  Letztlich ist es daher auch kein Wunder, dass der Euro auf die Publizierung des Protokolls kaum reagierte, aber nur noch 1,1140 überwinden muss, um seine leicht angeschlagene Situation zu stabilisieren. Allerdings ist die Unterseite erst ab 1,0995/00 gut abgefedert.

 

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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