Dollar am Morgen Märkte

Gipfeltreffen

am
28. Juni 2019

EUR USD (1,1365)             Während sich der Euro seit Beginn dieser Woche nur in ganz engen Bahnen bewegte, hat sich das Interesse der Marktteilnehmer während dieser Zeit zumindest vordergründig weg von der antizipierten geldpolitischen Wende der US-Notenbank in Richtung des G20-Gipfels bewegt, der heute und morgen in Japan stattfindet. Dabei hat der Ausgang des am Rande des Gipfels stattfindenden bilateralen Treffens zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Staatspräsident Xi natürlich Einfluss auf das weitere Verhalten der US-Notenbank, denn möglicherweise gelingt es den beiden Staatsoberhäuptern, bei dieser Begegnung die Voraussetzungen für eine Beilegung des Handelskonflikts zu schaffen.

Auch wenn die meisten Akteure den abermaligen Beteuerungen von US-Finanzminister Steven Mnuchin, ein Abkommen sei zu 90 Prozent unter Dach und Fach, nicht noch einmal wie im April dieses Jahres Glauben schenken wollen, hat sich doch mancherorts heimlich etwas Optimismus aufgebaut. Obwohl sich die beiden Parteien an den letzten 10 Prozent ihrer Streitigkeiten, die das Zustandekommen eines Deals noch gefährden könnten, wahrscheinlich die Zähne auszubeißen werden. Man ist schon zufrieden, wenn, wie gestern geschehen, die USA und China Medienberichten zufolge (Quelle stammt aus Hongkong, was eine gewisse Glaubwürdigkeit garantiert) angeblich einen vorläufigen Waffenstillstand im Handelskrieg erzielt haben. Zumindest sollen als Teil dieses Abkommens zunächst keine weiteren Strafzölle eingeführt werden. Falls keine Einigung zustande kommt, so Trumps Handelsminister Wilbur Ross, sei der Präsident ebenfalls glücklich, weitere Zölle auf China-Importe im Wert von 300 Milliarden USD in Kraft setzen zu können.

 

Referenzpunkt „Hoffnung“

Während die einen ohnehin nicht allzu viel auf die Versprechen und Erfolgs-Ansagen der US-Administration geben, weil ihr Präsident die Neigung hat, jedes von den Finanzmärkten ausgerechnete neue Szenario gerne mit einem einzigen Tweet zunichte zu machen, sprechen andere bereits von einem Börsencrash, falls es im Handelskonflikt zwischen den USA und China wieder zu keinen Fortschritten kommen sollte. Auch wenn diese Prognose etwas überzogen klingt, weil die Hoffnung auf eine Lösung im Handelskonflikt und dass daraus resultierende Enttäuschungspotenzial bei den meisten Akteuren ohnehin sehr niedrig sein dürfte, rechnet man im schlimmsten Fall damit, dass die US-Notenbank zumindest den Aktienmärkten irgendwie zu Hilfe eilen wird.

Nun stellen wir uns aber einmal vor, es käme tatsächlich zu greifbaren Fortschritten beim Gespräch zwischen Trump und Xi, und allerorten würde jubiliert. Gleichzeitig würde der US-Notenbank das wohl wichtigste Argument genommen, um die Leitzinsen zu senken. Davon würde der Dollar profitieren; wahrscheinlich sogar ganz besonders gegenüber dem Euro. Denn unbeachtlich, was bei den Gesprächen im US-chinesischen Handelskonflikt herauskommt, ist der nächste Gegner Trumps in Sachen Handelszölle die EU. Strafzölle, insbesondere auf Kraftfahrzeuge, denen Europa zumindest ökonomisch nach Ansicht einiger Kommentatoren nicht viel entgegenzusetzen hätte.

 

Heißt der Verlierer Euro?

Mit anderen Worten: Argumente für einen steigenden Euro sind gar nicht so leicht zu finden. Dies würde auch für den Fall gelten, dass die US-chinesischen Gespräche scheitern. Denn zwei US-Zinssenkungen sind in diesem Jahr fast vollständig und drei Zinsschritte dieser Art zu rund 60 Prozent (vgl. CME FedWatch Tool) bereits eingepreist, was auch für den Wechselkurs des Euro zum Dollar gelten dürfte. Und so ist der Euro letztlich auf Kapitalzuflüsse angewiesen, die sich meist nur auf niedrigerem Niveau ergeben und auch nur dann, wenn die Gefahr bestünde, dass das Vertrauen der Marktteilnehmer in die US-Geldmärkte langsam ausgehöhlt würde (vergleiche meinen Kommentar HIER). Zwar hat der Euro bislang unser Nachfrageniveau bei 1,1345 fast schon unerwartet gut verteidigt, aber auf der anderen Seite noch nicht einmal das Momentum entwickelt, um auf dem Weg in Richtung 1,1450 zumindest die erste Hürde (nun bei 1,1420/25) zu nehmen. Das wichtigste Niveau an der Unterseite bleibt dagegen bei 1,1265, da unterhalb davon nur wenig Nachfrage vor 1,1170 (oder gar erst bei 1,1110) zu erwarten wäre.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

 

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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