Dollar am Morgen Märkte

„Hätte, könnte, würde“ – Gewissheiten im Konjunktiv

von Joachim Goldberg am 25. Juni 2019

EUR USD (1,1410) Bei der Fed gibt Donald Trump keine Ruhe. Und vermutlich wird es auch nie genug sein, was die US-Notenbank an Zinssenkungen präsentieren wird. Trumps Kritik kam gestern wieder einmal in Form von zwei Tweets, obwohl die Fed unlängst einen Schwenk zu einer taubenhafteren Geldpolitik andeutete. Auch wenn die Fed Funds Futures möglicherweise eine etwas überzogene Markterwartung vermitteln und die daraus abgeleitete Wahrscheinlichkeit für mindestens drei Zinssenkungen bis zum Jahresende über 70 Prozent (vgl. CME FedWatch Tool) liegt, wirft Trump den Fed-Entscheidern Versagen vor. Man müsse sich nur einmal vorstellen, was geschehen wäre, wenn die US-Notenbank in seinem Sinne gehandelt hätte, spekulierte Trump via Twitter. Der Dow-Jones-Index läge Tausende von Punkten höher, und vor dem Komma der US-Wachstumszahl stünde gar eine 4 oder eine 5, schwärmte der US-Präsident. Aber dennoch beteuerte er, nie die Absicht gehegt zu haben – obwohl er das Recht dazu habe –, Fed-Chef Jerome Powell zu entlassen.

Auch wenn die meisten Kommentatoren diese Tiraden für Blödsinn halten mögen, setzen sich diese dennoch als mentale Anker in den Gehirnen der meisten Marktteilnehmer fest. Und schüren, wenn auch oft ungewollt, übertriebene Hoffnungen. Was aber würde die US-Notenbank tun, wenn sich beim geplanten Treffen des US-Präsidenten mit Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels am 28./29. Juni tatsächlich wider Erwarten eine Annäherung zwischen beiden Staatsoberhäuptern vollziehen und die Chancen auf eine Beilegung des US-chinesischen Handelskrieges deutlich steigen würden? Ein Szenario, das vermutlich im Kalkül der meisten Händler derzeit ausgeblendet sein dürfte. Denn in der Folge würde für die Fed eine wesentliche Grundlage für etwaige Zinssenkungen wegfallen. Und wie würden dann nach der Trumpschen Logik die Aktienmärkte reagieren?

Während wir also von Trump belehrt wurden, dass die Fed nicht wisse, was sie tut, glauben wir immerhin zu wissen, was die Europäische Zentralbank als nächstes tun wird. Einer Reuters-Umfrage zufolge glaubt nämlich eine große Mehrheit von knapp 80 Prozent der von Reuters befragten Ökonomen, dass die EZB bis Ende September entweder ihren Einlagenzins – die Vorhersagen reichen (derzeit liegt dieser Satz bei -0,4 %) bis zu einer Senkung auf -0,8 Prozent – oder ihre sogenannte Forward Guidance ändern wird. Und zwar dergestalt, dass demnächst der Hinweis auf eine erste mögliche Zinserhöhung – derzeit wird diese mehrheitlich ohnehin nicht vor Ende 2020 erwartet – vollkommen weggelassen werden könnte. Aber trotz all dieser Prognosen wird man den Eindruck nicht los, dass man mancherorts nicht mehr so unbedingt wie früher an die Durchschlagskraft dieser Instrumente glaubt. Instrumente, zu denen auch eine mögliche Wiederauflage des Anleihekaufprogramms zählt. Dies mag auch einer der Gründe sein, warum der Euro gegenüber dem Dollar derzeit kaum nachgibt. Dessen kleiner Impuls (für einen kurzfristigen Aufwärtstrend reicht es weiterhin nicht) mit Potenzial bis nunmehr 1,1460/1,1515 bleibt überdies intakt, solange 1,1260 nicht unterschritten wird.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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