Dollar am Morgen Märkte

Nichtssagend

von Joachim Goldberg am 23. Mai 2019

EUR USD (1,1145)             Es sollte eigentlich nicht überraschen, dass der Euro zum USD angesichts der Ereignisse in Großbritannien und dem damit verbundenen Fall des britischen Pfundes (gestern gegenüber dem Euro auf den niedrigsten Stand seit Februar 2019) auch gestern nur eine Statistenrolle spielte. Der einzige, wenn auch kleine Impuls, ergab sich temporär an der Oberseite; eine Rede von EZB-Präsident Mario Draghi soll dafür ursächlich gewesen sein. Eine Rede, die allerdings medial wenig Beachtung fand.

Aber auch von den Mitgliedern des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC), die sich nun bereits seit einigen Tagen zu Wort melden, war gestern vor Veröffentlichung des FOMC-Protokolls zur Sitzung vom 30. April/1. Mai wenig Erhellendes zu hören. Am deutlichsten äußerte sich der Chef der Fed von St. Louis, James Bullard, der eine Zinssenkung in diesem Jahr zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausschließen wollte. Aber Bullard ist nun einmal auch die größte Taube unter den derzeit stimmberechtigten FOMC-Mitgliedern. Und so ist es auch kein Wunder, dass Bullard den Verlauf der abschnittweise inversen Renditestrukturkurve der US-Staatsanleihen insgesamt zu flach findet und mit dieser Einschätzung etwaigen Rezessionsbefürchtungen einiger Akteure einen gewissen Vorschub leistet. Tatsächlich befanden sich die am meisten beachteten Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen und dreimonatiger T-Bills gestern auf gleichem Niveau, so dass selbst Bullard nicht mit erhöhten Rezessionsgefahren argumentieren wollte.

 

Chinesische Anleiheverkäufe nicht bedrohlich

Auch nahm der regionale Fed-Chef Stellung zu möglichen US-Anleiheverkäufen Chinas, auf die wir vor etwas mehr als einer Woche HIER eingegangen sind: Er hält die mancherorts wahrgenommene Bedrohung durch derartige Verkäufe, etwa als Reaktion auf die erhöhten US-Strafzölle, für übertrieben. Und ein Blick auf die Statistik ausländischer Halter von US-Staatsanleihen, die sogenannten Tic-Daten per Ende März, verdeutlicht: Ein vergleichsweise geringer Rückgang bei den von China gehaltenen US-Anleihen um rund 10 Mrd. USD gegenüber dem Vormonat wurde von anderen Staaten spielend aufgefangen. Deren Bestände wuchsen nämlich im gleichen Zeitraum um rund 88 Mrd. USD.

Wie von vielen nicht anders erwartet, brachte das FOMC-Protokoll gestern keine Überraschungen für die Marktteilnehmer mit sich. Zumal besagte Sitzung noch vor der Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China stattfand und damit überholt ist. Die Fed bleibt jedenfalls „geduldig“, und das FOMC sieht die schleppende Inflation mehrheitlich als vorübergehendes Phänomen an, so die Erkenntnis für die meisten Akteure. Der Euro bewegte sich daraufhin auch nur um ein paar Stellen und bleibt abermals in seiner Konsolidierung zwischen 1,1110 und 1,1365/70 gefangen.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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