Dollar am Morgen Märkte

Wenn Risiken an Gewicht verlieren

von Joachim Goldberg am 20. Mai 2019

EUR USD (1,1155)             Eine wichtige Handelswoche liegt hinter uns. Dabei haben die Finanzmärkte recht unterschiedlich auf die Fortsetzung im US-chinesischen Handelskonflikt reagiert. Denn nicht nur die Einführung der erhöhten Strafzölle der USA auf China-Importe, sondern auch die Vergeltungsmaßnahmen Chinas als Reaktion darauf mussten von den Akteuren verarbeitet werden. Aber offensichtlich wirkte allein schon die Ankündigung der USA, die Einführung etwaiger weiterer Strafzölle auf Auto-Importe um bis zu sechs Monate zu verschieben, wie eine Beruhigungsspritze auf viele Investoren. Zumindest was deren Geschäfte an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks angeht. Diese haben nämlich die ganze Handelsstreit-Saga in der vergangenen Woche nahezu vollständig weggesteckt.

Und selbst dass das US-Handelsministerium den chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei auf die schwarze Liste gesetzt hat, wurde von vielen Händlern fast schon mit einem Achselzucken beantwortet. Obwohl das Verbot, dass US-Firmen künftig mit Huawei und seinen 68 Tochtergesellschaften (von Ausnahmen abgesehen) keine Geschäfte mehr machen dürfen, einer weiteren Eskalation im Handelskrieg gleichkommt. Und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis China reagieren wird.

 

Mental abdiskontiert

Auch wenn die Auswirkungen der jüngsten Maßnahmen im Handelsstreit zwischen den USA und China erst in ein paar Wochen wirklich zu Tage treten werden und ihre negativen Folgen noch völlig ungewiss sind, werden diese von vielen Finanzmarktteilnehmern bereits mental in ihrer Bedeutung abgewertet – wie alle Risiken, die nicht richtig greifbar sind und auch noch in der Zukunft liegen. Und ähnlich verhält es sich auch mit den Autozöllen, die nun fürs Erste, also in der Gegenwart, erst einmal abgewendet worden sind. Damit sind sie zwar immer noch nicht vom Tisch, scheinen aber noch weit entfernt in der Zukunft zu liegen, weshalb auch alles, was daraus an Negativem resultieren könnte, zunächst an Gewicht und Bedeutung verloren hat.

 

Devisenhändler leicht risikoavers

Während die Aktienhändler zumindest vordergründig fast risiko-immun zu sein schienen, manifestierte sich im Devisenhandel immerhin eine gewisse Sorge. Dies zeigt sich an der Entwicklung des Schweizerfranken und des japanischen Yen, die etwa gegenüber dem Euro als sogenannte Fluchtwährungen während der vergangenen Woche gefragt waren. Die Risikoaversion der Devisenhändler zeigt sich vor allen Dingen an der Entwicklung des Yen, der sich beispielsweise gegenüber dem australischen Dollar während des besagten Zeitraums vorübergehend um mehr als 2,1 Prozent befestigte.

Unterdessen brachte es die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar fertig, die vergangenen fünf Handelstage hintereinander jeweils mit einem Tagesverlust abzuschließen. Verluste, die in der Summe allerdings nicht einmal 0,8 Prozent betrugen. Nicht nur aus Gründen der Risikoaversion müsste der Euro aber deutlich niedriger notieren. Denn die am Freitag veröffentlichten ökonomischen Daten (etwa das überraschend positiv ausgefallene Verbrauchvertrauen (vorl.) der Uni Michigan) sprachen für den Greenback. Somit beschloss der Euro die Handelswoche vor einem wichtigen Nachfrageniveau (1,1145) und bleibt in seiner Seitwärtsentwicklung zwischen 1,1110 und 1,1370 gefangen.

 

Hinweise 

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

Aus organisatorischen Gründen erscheint der nächste ausführliche Bericht erst am Mittwoch, den 22. Mai. Die wichtigsten Kursniveaus werden jedoch am morgigen Dienstag aktualisiert.

 

Kurs-Update vom 21. Mai 2019 6:30 Uhr

Es gab nur ganz gerinfügige Veränderungen. Der Euro rangiert fast unbewegt oberhalb des wichtigen Nachfrageniveaus von 1,1140. Die kurzfristige Seitwärtsentwicklung zwischen 1,1110 und 1,1370 bleibt erhalten.

Der nächste „Dollar am Morgen“ folgt am Mittwoch.

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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