Investmententscheidungen Märkte

Nicht nur draußen wird es heißer

von Joachim Goldberg am 17. Mai 2017

Wer sich mit der jüngsten Fondsmanager-Umfrage von BofA Merrill Lynch, die gestern veröffentlicht wurde, eingehender beschäftigt, könnte den Eindruck gewinnen, dass sich die globalen Aktienmärkte immer mehr erhitzen. Denn netto 37 Prozent der befragten Vermögensverwalter vertreten die Ansicht, Aktien seien überbewertet; das ist der höchste Stand seit Januar 2000. Damals sollte es dann nur noch ein paar Wochen dauern, bis die sogenannte Dotcom-Blase platzte. Dennoch sind die derzeitigen Werte, zumindest was die USA betrifft, mit denen von damals nicht seriös vergleichbar: Netto 82 Prozent der Fondsmanager halten nämlich US-Aktien für zu teuer und sind daher in diesen Papieren untergewichtet.

Von der Suche nach Alternativen konnten Aktien der Eurozone profitieren und das trotz einer bereits im Vormonat vorhandenen starken Übergewichtung in diesem Bereich. Zumindest wurde die Situation damals bereits von netto 48 Prozent der Fondsmanager so eingeschätzt. Im Mai ist diese Gruppe sogar auf 59 Prozent der Investoren angestiegen – es handelt sich mithin um den dritthöchsten Stand seit Bestehen der Befragung –, weshalb wir getrost davon ausgehen können, dass auch deutsche Standardwerte noch einmal profitiert haben. Außerdem halten per Saldo immer noch 20 Prozent der Fondsmanager Aktien der Eurozone für unterbewertet.

 

Euro-phorie

Nach der überstandenen französischen Präsidentschaftswahl scheinen europäische Risiken ohnehin bei den internationalen Vermögensverwaltern ausgeblendet zu sein. Ein Auseinanderbrechen der Eurozone, das im Vormonat noch als größtes Extrem-Risiko für die Finanzmärkte gesehen wurde, scheint derzeit praktisch niemand mehr als Bedrohung zu empfinden.

Fast schon könnte man von einer Euro-phorie sprechen, denn die Sorglosigkeit hat sich auch auf das Hedge-Verhalten ausländischer Akteure ausgewirkt, die immer weniger Bereitschaft an den Tag legen, sich gegen das Risiko eines Euro-Kursrückgangs gegenüber dem US-Dollar abzusichern. So sollen dem Vernehmen nach zuletzt nur noch 20 Prozent der amerikanischen Kapitalzuflüsse in Aktien-ETFs der Eurozone gehedged worden sein. Mit anderen Worten: Die Investoren gehen offensichtlich davon aus, dass der Aufwärtstrend des Euro auch längerfristig Bestand haben könnte. Auch hier passt die BofA Merrill Lynch-Umfrage ins Bild, derzufolge netto 23 Prozent der Befragten den US-Dollar für überbewertet halten.

Und was machen die hiesigen Börsianer? In der Vorwoche hielt das Gros der Akteure gegen die offenbar vom Ausland gestützte Aufwärtsbewegung des DAX. Ob der Wille, gegen den Trend zu halten, auch weiterhin besteht, können Sie meinem heutigen Kommentar zum DAX-Sentiment entnehmen, den ich  HIER für die Börse Frankfurt erstellt habe. Einen Video-Kommentar dazu können Sie HIER ansehen.

SCHLAGWÖRTER
3 Kommentare
  1. Antworten

    Guenther

    17. Mai 2017

    Sehr geehrter Herr Goldberg,
    ich habe ein Buch von Ihnen in der LHB der TU Darmstadt im Archiv gefunden.
    Erfolgreiche Devisenkursprognose von 1990. Es ist jetzt 1/4 Jahrhundert her das Sie es geschrieben haben und trotzdem ist es immer noch auf den Punkt gebracht.
    Sie haben mich durch ihre Arbeit bereichert und weitergebracht. Vielen Dank dafür
    GR

    • Antworten

      Joachim Goldberg

      17. Mai 2017

      Und ich freue mich, dass Sie es gefunden haben!

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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