Märkte

War‘s das?

am
22. Oktober 2014

Bei der Einschätzung der Lage am deutschen Aktienmarkt scheiden sich derzeit die Geister bei der Frage, ob die Korrektur der vergangenen Woche, die den DAX immerhin auf Indexstände von weniger als 8.400 Punkten gedrückt hatte, beendet ist oder ob noch ein zweiter Abwärtsast folgt. Denn die Stimmung zwischen institutionellen und privaten Anlegern hat sich zuletzt diametral entgegengesetzt entwickelt. Während Erstere teilweise durch Ziehen der Notbremse aus ihren bullishen Engagements der Vorwochen herausgeworfen wurden, hat sich bei den Privatanlegern das lange Durchhalten und möglicherweise auch Hinzukaufen in fallende Kurse hinein – wovon verhaltensorientierte Analysten eigentlich abraten – zumindest teilweise ausgezahlt. Dennoch: Die Einstandspreise mancher bullishen Engagements dürften immer noch erheblich höher als der heutige DAX-Stand liegen. Eine eingehende Analyse der heutigen Sentiment-Ergebnisse habe ich für die Deutsche Börse HIER ausgeführt.

 

EZB: Wie beim Obstkauf

Überhaupt bezweifle ich, dass an den gestern plötzlich aufgekommenen Gerüchten, die EZB werde womöglich im ersten Quartal 2015 mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen beginnen, tatsächlich etwas dran ist. Dennoch wurde mit den nun entzündeten Diskussionen ein Anker und Referenzpunkt gesetzt, der vor allen Dingen Gegner eines echten quantitativen Lockerungsprogramms der EZB via Staatsanleihekäufe letztlich doch zum Einlenken bewegen könnte.

Denn wenn man (ich glaube, Dan Ariely hat sich in einem seiner Bücher einmal darüber ausgelassen) sich unschlüssig ist, ob man einen Apfel oder eine Birne kaufen soll, wird einem die Entscheidung zu Gunsten des Apfels erleichtert, wenn einem ein fauler Apfel danebenlegt wird. Denn dann geht es nicht mehr um die Wahl zwischen Apfel (QE) oder Birne (nein sagen), sondern um die Entscheidung zwischen einem schlechten (Kauf von Unternehmensanleihen) und einem guten Apfel (Kauf von Staatsanleihen). Ob sich Bundesbankpräsident Jens Weidmann in diesem Fall auch für den guten Apfel entscheiden wird?

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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