Behavioral Living Märkte

Nichts als die reine Strategie

am
4. Juni 2014

Gute Freunde von mir wissen, dass ich mich gelegentlich in einem bekannten Frankfurter Fitnessstudio mit angeschlossenem Schwimmbad zwecks Konditionstrainings aufhalte. Und weil es sich um ein Studio handelt, das etwas auf sich hält, wundert es nicht, wenn dieser Tempel eine gewisse Anziehungskraft auf trendorientierte Menschen ausübt. Wie in anderen Fitnessstudios gibt es auch in meinem einen hohen Prozentsatz an Karteileichen. Zumal ja bekannt ist, dass die meisten Sportwilligen ohnehin nicht nachhaltig trainieren. So bleibt es schon nach mehreren Trainingseinheiten beim guten Willen, der sich vor allem darin ausdrückt, dass man die guten Vorsätze nicht gleich wieder durch eine Kündigung torpediert.

Wenn allerdings die Verkäufer dieser Verträge so richtig gut sind und tagtäglich ihre volle Sales-Power zur Geltung bringen, treibt dies trotz allem die Zahl  der „Willigen“ mit der Zeit nach oben. Was leider mit teils längerer Wartezeit an den Geräten verbunden ist, wenn man zur falschen Zeit am richtigen Ort erscheint. Noch enger wird’s dann im Schwimmbad, wo die paar Bahnen oft bis an die Kapazitätsgrenze belegt sind.

Aber ich hatte vor einiger Zeit Glück. Denn ein Mitschwimmer gab mir den heißen Tipp: „Komm am besten um 17.30 Uhr und du hast freie Bahn“. Eine Empfehlung, die wirklich gut war. Zumindest eine Zeit lang, bis sich der Geheimtipp (weil jeder einen besten Freund hat) herumgesprochen hatte. Ich aber, nicht faul, reagierte prompt und kam einfach eine Viertelstunde früher ins Bad und hatte wieder meine Bahn für mich. Eine Idee, auf die andere Sportsfreunde natürlich mit der Zeit auch kamen. Mittlerweile ist die beste Zeit, im Hallenbad zu schwimmen, auf 15.30 Uhr vorgerückt.

 

Natürlich ist alles eingepreist

Ähnliches scheint derzeit auch beim DAX stattzufinden, wo die Börsianer seit Tagen so mit Spannung auf die morgige Sitzung der europäischen Zentralbank warten, dass man es nicht mehr hören kann. Da soll ja nach vorherrschender Meinung der Ökonomen eine geldpolitische Entscheidung bevorstehen, die theoretisch auch dem Aktienmarkt zugute kommen müsste. Wie ich aber immer wieder lese, ist diese Meinung schon längst in den Kursen eingepreist, weswegen man, so schließe ich aus den Kommentaren, derzeit besser nicht auf steigende Aktien setzen sollte. Und wenn ich die heutige Stimmungserhebung der Börse Frankfurt betrachte, habe ich den Eindruck, dass ich nicht der einzige bin, der über diese Information verfügt.

Nicht nur deswegen habe ich (hier) meinen Kommentar dazu hinterlassen. Unterdessen glaube ich jedoch, dass mittlerweile auch eine vielfach erwartete EZB-Enttäuschung in geldpolitischer Hinsicht nunmehr in den Kursen eingepreist sein dürfte, wobei ich es schon erstaunlich finde, dass der DAX trotz einer erheblichen Stimmungsverschlechterung und geringem Interesses nicht deutlicher an Boden verloren hat.

Aus meiner Schwimmbaderfahrung weiß ich, dass es Zeit ist, in einer derartigen Situation umzudenken. Wenn also das Gros der Akteure jetzt auf fallende Kurse setzt, sollte man also „rein strategisch“ das Gegenteil tun. Ich hoffe nur, dass nicht allzu viele die gleiche Idee wie ich haben.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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