Behavioral Living Verschiedenes

Ratengedenktag – der Traum vom Eigenheim II

von Joachim Goldberg am 21. Januar 2011

Ende November hatte ich über einen meiner Freunde berichtet, der ins Frankfurter Umland gezogen war, weil ihm und seiner Familie die eigentlich schöne Wohnung mitten in der Innenstadt zu klein wurde. Ein schönes Häuschen im Grünen hatten sie sich da gekauft, weit weg vom Lärm und Hektik der Großstadt. Das Ganze hatte natürlich nicht nur seinen materiellen Preis, sondern war auch mit einigen kleineren Opfern verbunden.Tägliches Pendeln zum Arbeitsplatz, zur Schule war nun angesagt. Ein Umstand, der, so meinte mein Freund, durch die gute Luft da draußen auf dem Lande mehr als aufgewogen würde. Und ich versuchte immer wieder, mir vorzustellen, wie sich das wohl anfühlen mochte, wenn sich ein Zehnstundenarbeitstag noch um weitere 90 Minuten Pendelzeit in den Feierabend hinein verlängert. Und wie viel Zeit dann verbliebe, um die schöne Natur ringsum tatsächlich genießen zu können.

Richtig nachdenklich wurde ich aber, als uns mein Freund mit seiner Frau kürzlich wieder einmal abends in Frankfurt besuchte. Und das nicht nur, weil er an meinem schönen Rotwein angesichts der noch bevorstehenden Rückfahrt nur höflich nippte, statt ihm, wie ehedem, kräftig zuzusprechen. Wohl nicht nur deswegen wirkte er irgendwie ernüchtert und auch ein wenig nachdenklich. „Heute wird die Rate abgebucht“, versuchte seine Frau die zurückhaltende Stimmung ihres Mannes zu erklären. Es war am Abend eines Monatsersten. Und ich dachte für mich: Für einen großen Traum, das Eigenheim, woran man sich auch noch schnell gewöhnt, haben die beiden wirklich vieles andere aufgegeben. Stattdessen scheinen sie in ihren persönlichen Kalender nun einmal im Monat auch noch einen Kreditraten-Trauertag aufgenommen zu haben. Dabei hatte ich natürlich Eines nicht bedacht: Auch an die monotone Gleichmäßigkeit einer Kreditrate kann man sich letztendlich gewöhnen. Vielleicht dauert das nur ein wenig länger, als es bei einem regelmäßig wiederkehrenden Gewinn der Fall wäre.

Schließlich läutet nicht einmal mein Freund an jedem 15. des Monats, wenn das Gehalt auf seinem Konto eingeht, einen Festtag großer Freude ein.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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