Märkte

Oberstress durch Stresstest

von Joachim Goldberg am 22. Juli 2010

Als ob wir nicht schon genug Stress mit den Stresstests der Banken hätten, scheint es jetzt noch zusätzlichen Stress zu geben. Denn Frankreich scheint sich für eine vorgezogene Veröffentlichung der Testergebnisse starkzumachen. Zumindest, wenn man den von der Nachrichtenagentur Reuters zitierten Personen aus dem Umfeld europäischer Regulierungsbehörden folgen möchte. Obwohl doch der Termin für die Bekanntgabe der Veröffentlichung eigentlich seit längerer Zeit festgezurrt ist: Freitag, 18 Uhr – so hatte es das europäische Aufsichtsgremium CEBS vorgesehen.

Natürlich kann man verstehen, wenn in Frankreich befürchtet wird, mit dem 18 Uhr Termin werde am Freitagabend den US-Märkten alleine die Deutungshoheit dieser Zahlen überlassen. Zumal erfahrungsgemäß zu dieser Zeit die Märkte meist nicht liquide sind. Aus Händlersicht kann man aber durchaus seine Zweifel äußern, ob ein Vorziehen dieses Termins um ein paar Stunden tatsächlich mehr Gerechtigkeit bringt. Ja, man sollte sich eigentlich fragen, ob es überhaupt Sinn macht, solch wichtige Zahlen an einem marktengen Freitagmittag zu bringen. Wo doch selbst Experten jetzt schon Angst vor starken Kursverwerfungen haben, wenn die Testergebnisse überraschend ausfallen sollten.

Dabei gibt es durchaus Alternativen. Etwa die Veröffentlichung der Stresstests an einem anderen Handelstag und zu einer Zeit, in der der Markt über ausreichende Liquidität verfügt. Oder noch besser: Einfach abwarten, bis die US-Börsen Freitagabend (bei uns leider in der Nacht) geschlossen haben. Dies hätte den Vorteil, dass alle Akteure die Ergebnisse über das Wochenende und in aller Ruhe auf sich wirken lassen können. Womit auch das Risiko einer Panik (Kennzeichen eines kollektiven Kontrollverlusts) deutlich vermindert würde. Ein Problem würde aber am folgenden Montag in der Frühe immer noch bleiben: Einer hätte das schwere Los, anfangen zu müssen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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