Märkte Wirtschaft

Kontoführungsgebühren – auch eine Frage der Darstellung

von Joachim Goldberg am 21. Juli 2010

Die Briten müssen ihre Banken lieben, weil die Kontoführung für viele von ihnen kostenlos ist. Kostenlos zumindest solange wie bestimmte Mindesteinlagen und -umsätze unterhalten werden. Natürlich wissen die meisten Bankkunden, dass  Kontoführung ihren Preis hat. Aber viele von ihnen glauben irrigerweise, unverzinste Guthaben sowie die Vorteile durch Verzögerungen, die bei Überweisungen immer noch auftreten können, seien ausreichend um diese Kosten zu decken. Tatsächlich hat die British Banking Association herausgefunden, dass 80 Prozent der Bankkunden zwar keine Gebühren bezahlen, indirekt aber durch entgangene Habenzinsen erheblich zur Kostendeckung der Institute beitragen. Was bedeutet, dass die übrigen 20 Prozent der Kunden nicht nur die fehlende Kostendeckung, sondern auch noch die Gewinne der Banken – meist in Form von Überziehungszinsen – tragen müssen.

Eine Untersuchung der BBC brachte dabei Erschreckendes ans Tageslicht: Die Banken belasten demzufolge bei ungenehmigten Kontoüberziehungen ihrer Kunden einen Zinssatz von durchschnittlich 167 Prozent, im Extrem sogar 3.650 Prozent p.a. Aber selbst für genehmigte Überziehungen berappen die Kreditinstitute im Durchschnitt, einen Zinssatz von effektiv 32 Prozent, obwohl sie mit einem Satz von 19 Prozent werben. Wirtschaftsminister Vince Cable sprach in diesem Zusammenhang unlängst sogar von „Abzocke“, so dass vermutlich schon bald mit einer Eindämmung dieses Gebarens von höchster Stelle zu rechnen ist.

Wie aber sollen die Banken vorgehen? Ein großer Teil der Kunden, die bislang nichts für ihre Kontoführung bezahlen mussten, würden plötzlich zur Kasse gebeten, was vor allem Pensionäre und Arbeitslose besonders hart treffen würde. Außerdem kann den Banken an  dieser neuen Art von Transparenz nach dem Motto „für jeden Handgriff eine Gebühr“ kaum gelegen sein. Deswegen sollten diese Belastungen so geräuschlos wie möglich umverteilt werden.

Natürlich würden die Bankkunden jede einzelne Gebühr, sofern separat ausgewiesen, auch entsprechend deutlich wahrnehmen. Um das zu vermeiden, sollte eine monatliche Kostenpauschale erhoben werden, mit der sogar Überziehungsprovisionen bis zu einem bestimmten Betrag abgedeckt sein sollten (Aggregation). Mehr noch: Die Kreditinstitute sollten ihren Kunden auch das Gefühl geben, dass sie etwas gewinnen können, wenn sie etwa bestimmte Mindesteinlagen halten oder sich anderweitig „richtig“ verhalten. Diese Gewinne (die nicht zu klein sein dürfen, um wahrgenommen zu werden) müssen nicht einmal in Geld ausgezahlt werden. Man glaubt gar nicht, wie gut es vielen Menschen tut, wenn sie für Wohlverhalten – und zwar für jedes extra (Segregation) – ein paar tausend Meilen auf dem Frequent-Flyer-Konto oder anderswo gutgeschrieben bekommen.

SCHLAGWÖRTER

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2 Kommentare
  1. Antworten

    Stefan von girokonto.one

    31. Oktober 2016

    In Deutschland wird das auch kommen müssen. Modelle wie sie die Volksbanken und Sparkassen fahren sind in meinen Augen für das Girokonto überholt.
    Die DKB bietet ihren Aktivkunden (800 € Geldeingang monatlich) die Möglichkeit weltweit kostenlos mit der Kreditkarte abzuheben und auch an der Kasse ohne Fremdwährungsgebühren zu bezahlen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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