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Oktopussi 2: Das habe ich kommen sehen

von Joachim Goldberg am 8. Juli 2010

Eigentlich hatte ich doch insgeheim immer schon so ein komisches Gefühl im Magen gehabt. Vor dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft bereits. Sicherlich war ich noch vom neuen Fußballstil der jungen Wilden berauscht. Und gerade weil dieser neue Stil nicht gerade schweizerisch ist, haben wir wohl am Ende verloren. Aber mein Bauch hätte es mir sagen können. Jogi ist eben nicht Otmar Hitzfeld. Eigentlich musste alles so kommen. Nein, nicht weil ich mich gestern abfällig über Oktopus Paul geäußert hatte. Aber spätestens als er die spanische Muschel verschlang, hätte ich wissen müssen, dass uns Tiere prognosetechnisch überlegen sind. Und nach sechs Treffern hintereinander spielt es auch für die Medien eigentlich keine Rolle mehr, ob Pauls Vorhersagen reinem Zufall oder tatsächlichem Können geschuldet waren. Und so wird es viele geben, die wieder einmal dem so genannten Hindsight-Bias erlegen sind, ein Mechanismus, der uns den Tag nach Durban etwas erträglicher erscheinen lässt.

Was aber bedeutet Pauls Serie für die gestern erwähnte Repräsentativitätsheuristik? Rational betrachtet bedeutet der jüngste Treffer, dass die Chance aus je zwei Alternativen sechs Mal hintereinander die Richtige zu wählen, immerhin noch 1:64 beträgt. Unterdessen habe ich aber auch erfahren, dass es neben Paul auch noch andere Tiere gab, die mit ihren Prognosen allerdings nicht so viel Erfolg hatten. Etwa im Chemnitzer Zoo, wo nicht nur das Flusspferd Petty, das Stachelschwein Leon oder gar die Krallenäffchen ihre Voten – mit wechselndem Erfolg – in der Vorrunde abgegeben hatten. Genauso wenig wie von ihnen, wird man in kurzer Zeit auch nicht mehr von einer kompletten argentinischen Tierschau sprechen, angeführt von Sayko dem Delphin, Macky dem Seehund, Paco dem Papagei oder der Schildkröte Jorge, die mit ihrem einstimmigen Votum für die Gauchos am vergangenen Sonntag alles klar machen wollten.

Auch wenn sich einige aus falschen Rachegedanken heute einen Tintenfisch zum Mittagessen zubereiten mögen – ich würde Paul schon aus grundsätzlichen Erwägungen die Treue halten. Nach der Fußball-WM könnte man (gegen Geld versteht sich) das Tier vielleicht fest in der alten Börse als Zuschauerattraktion installieren. Mit je einem Muscheltopf für Kaufen oder Verkaufen. Wobei das Sterberisiko von Paul – etwa als Überbringer schlechter Nachrichten wie im Spanien-Spiel – an der Börse ungleich höher wäre.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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