Dollar am Morgen Märkte

Relative Ruhe

von Joachim Goldberg am 6. April 2020

EUR USD (1,0820)             Dass der US-Arbeitsmarktbericht am vergangenen Freitag miserabel ausfallen würde, war klar. Wie miserabel, hängt natürlich vom Referenzpunkt ab. Soll man etwa die Konsensprognose der Ökonomen nehmen, die den Rückgang der Stellen für den Monat März mit 100.000 bezifferte? Dann ist die tatsächliche Zahl von 701 Tsd. siebenmal so hoch wie erwartet ausgefallen. Nimmt man die Bandbreite der Prognosen aller 73 von Bloomberg befragten Ökonomen, reicht diese von +100 Tsd. bis -4 Mio. So gesehen waren die Zahlen zu den Nonfarm Payrolls gar nicht einmal so schlecht. Aber, halt! Die Erfassung der neu geschaffenen, pardon verlorenen Stellen reichte nur bis zum 12. März. Mit anderen Worten: Der Löwenanteil der Entlassungen infolge des landesweiten ökonomischen Stillstands in den USA war bei den am Freitag publizierten Daten noch nicht dabei.

 

Horrormeldungen unvermeidbar

Obwohl man den erhobenen Zeigefinger vieler Kommentatoren im Anschluss an den US-Arbeitsmarktbericht förmlich vor sich sehen konnte, reagierten die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks geradezu gelassen. Vielleicht auch, weil die Arbeitslosenquote von 3,5 – ihrem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten – „nur“ auf 4,4 Prozent angestiegen war. Allerdings dürfte jedem klar gewesen sein, dass das „noch nicht alles“ an schlechten Zahlen war.

Offensichtlich kann die Finanzmärkte nichts mehr schockieren. Fürchterliche Nachrichten, seien es nun die Opfer, die die Corona-Pandemie täglich fordert, oder die ökonomischen Folgen des weltweiten Shutdown, scheinen unvermeidbar. Dabei ist es fast zweitrangig, ob sich die Akteure an Horrormeldungen gewöhnt oder mental ganz einfach abgeschaltet haben.

 

Relative Ruhe

Immerhin hat die Volatilität an den Aktienmärkten im Vergleich zu den Kursausschlägen der vorangegangenen drei Wochen deutlich abgenommen. So produzierte etwa der heimische DAX eine Range von rund 8 Prozent während der abgelaufenen Handelswoche. Und das, obwohl sich die Marktteilnehmer darüber streiten, ob die zu erwartenden unterirdischen ökonomischen Daten bereits in den Kursen enthalten sind oder nicht. Es herrscht relative Ruhe.

Nun hat die Bilanzsumme der US-Notenbank infolge der quantitativen Lockerungsmaßnahmen in der vergangenen Woche zum ersten Mal die Grenze von 5 Billionen USD bei weitem überschritten. Die Anleihekäufe der EZB erreichten mit über 40 Mrd. Euro in einer Woche einen neuen Rekord. Und die US-Regierung wird sich massiv verschulden, um die geplanten Stimulus-Programme ins Laufen zu bringen. Gleichzeitig flutet die Fed die Märkte mit US-Dollar, damit diese liquide und am Leben bleiben. Unter diesen Umständen müsste der Kurs des Greenback doch eigentlich fallen.

Dollar vielen zu stark

Aber der Dollar hat sich in der abgelaufenen Woche nicht nur gegenüber dem Euro deutlich erholt. Tatsächlich beendete die Gemeinschaftswährung die vergangenen fünf Handelstage jeweils mit einem Minus, nachdem sie in der Vorwoche fünfmal hintereinander mit einem Gewinn geschlossen hatte. Man könnte auch sagen, dass der wiedererstarkte Dollar eben auch als Zeichen dafür gelten muss, dass die Krise – denn während Krisenzeiten ist die US-Valuta eben naturgemäß stark gesucht – noch längst nicht zu Ende ist.

Und wie sehr sich die Meinung zum Euro indes seit Ende Februar geändert hat, zeigt sich einmal mehr an den am Freitag veröffentlichten CFTC-Meldungen zu den Engagements an der Chicagoer Futures-Börse. Dort wurden nämlich die spekulativen Euro-Positionen in den fünf Wochen bis zum 31. März von 114.000 Short- auf 74.000 Long-Kontrakte gedreht. Es mag sein, dass diese Engagements auch die mittelfristigen Positionen insgesamt widerspiegeln, die durch die Euro-Entwicklung zum Wochenende etwas unter Wasser geraten sind. Denn die Gemeinschaftswährung befindet sich im kurzfristigen Abwärtstrend, dessen Risiko zunächst bis 1,0500 reicht, während der Stabilisierungspunkt auf 1,1005/10 heruntergerutscht ist.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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