Dollar am Morgen Märkte

The long way down

von Joachim Goldberg am 20. März 2020

EUR USD (1,0760)             Die Serie der „Schadensmeldungen“ reißt nicht ab: Gestern hat der Euro den größten Tagesverlust seit dem 24. Juni 2016 produziert und den tiefsten Kurs seit April 2017 markiert. Während an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks eine kurze Ruhepause eintrat, hielt die Flucht in den Dollar ungebrochen an. Der Abwärtstrend des Euro setzte sich fort und entwickelte ein derart hohes Momentum, dass bereits Rufe nach Zentralbankinterventionen laut wurden. Deren Eingreifen wird vor allem immer dann gefordert, wenn viele Marktteilnehmer mit einer Marktentwicklung nicht zurechtkommen.

 

Rufe nach Deviseninterventionen

Fast fühlte ich mich an die Jahre 1985 und 1987 erinnert, als es noch so etwas wie konzertierte Zentralbankinterventionen gab. So hatten sich damals die sechs führenden Industrienationen (G6) zum sogenannten Plaza-Abkommen zusammengetan, um den massiven Anstieg des Dollar gegenüber der D-Mark (ein Dollar wurde zuhöchst bei 3,4780 DM umgesetzt) zu beenden. Der „Louvre Accord“ hatte indes das Ziel, die rasante Dollar-Abwertung Ende 1987 zu bremsen.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es heutzutage so etwas wie konzertierte Interventionen oder gar einen “Mar-a-Lago Accord“ (vgl. gestern Bloomberg) geben wird, um den jüngsten Run auf den Dollar zu stoppen. Zumal die Trump-Administration gestern die Erhöhung der Strafzölle gegenüber der europäischen Luftfahrtindustrie von zehn auf 15 Prozent in Kraft hat treten lassen. Und das mitten in der Corona-Krise. Mehr noch dürften die Europäer und Japaner derzeit wenig Interesse verspüren, etwas gegen die laufende starke Abwertung ihrer Valuten seit dem 9. März zu unternehmen.

 

Sinnlose Prognosen

Gestern gab es natürlich auch einige Wirtschaftsdaten zu begutachten, wie den ifo- Geschäftsklimaindex für den Monat März, der auf ausgesprochen schwierige Zeiten für die heimische Wirtschaft hinweist. Genauso wie in den USA der Philly Fed Index, der mit einem Minus von 49,4 Indexpunkten im März so stark wie noch nie innerhalb eines Monats auf -12,7 gefallen war. Die Erwartungen der Ökonomen lagen übrigens immer noch bei einem Median-Wert von +8 und belegen einmal mehr die Sinnlosigkeit solcher Prognosen. Das Gleiche gilt für die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die in der Woche zum 13. März in den USA gleich von 211.000 auf 281.000 gesprungen sind – die Medianprognose der Ökonomen lag bei einem Plus von 220.000, also nur etwas höher als in der Woche davor.

 

Schwer einzuordnen

Kurzum: Wir werden uns in den kommenden Wochen wohl an solche Hiobsbotschaften gewöhnen müssen. Allerdings muss ich zugeben, dass es mir schwerfällt, diese Zahlen einzuordnen. Als etwa US-Finanzminister Steven Mnuchin vor kurzem davor warnte, dass die Arbeitslosenquote in den USA bis auf 20 Prozent hochschießen könne, sofern die US-Regierung untätig bliebe, konnte ich nur noch denken, wie schlimm das wäre. Aber ob diese Arbeitslosenquote am Ende 20, 15 oder nur 10 Prozent beträgt, ist für die Wahrnehmung selbst von Experten fast unerheblich. Weil wir es nicht gewohnt sind, mit derartigen Werten umzugehen.

Wie gesagt, befindet sich der Euro im Abwärtstrend und testete gestern beinahe unsere äußerste Unterstützung bei 1,0650. Daran wird sich voraussichtlich nichts ändern, solange 1,1050 nicht mehr überwunden wird. Das Trendpotenzial reicht bis 1,0555, darunter bis 1,0330.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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