Dollar am Morgen Märkte

Seltene Serie

von Joachim Goldberg am 20. Februar 2020

EUR USD (1,0795)             Um es vorauszuschicken: In Wahrheit führe ich nicht – wie gestern behauptet – ein Euro-Tagebuch, aber ich habe durchaus weiter mitgezählt. Denn der Euro hat gestern seine unheimliche Serie fortgesetzt und gegenüber dem Dollar zum zwölften Mal hintereinander ein niedrigeres Tagestief und damit den niedrigsten Kurs seit April 2017 markiert. Eine längere Serie – 13 niedrigere Tagestiefs hintereinander – gab es seit der Einführung des Euro nur ein einziges Mal, und zwar in der Zeit vom 26. Februar bis zum 16. März 2015. Damals summierten sich die Kursverluste des Euro übrigens auf mehr als 8 Prozent; die derzeitige Serie ist zumindest, was die Kursverluste angeht, deutlich kürzer und beträgt in der Summe nicht einmal 3 Prozent.

 

Noch keine echten Wachstumssorgen

Interessanterweise gehörte der Euro gestern aber nicht zu den Verlierern des Tages, sondern konnte gegenüber einem Korb an diversen Währungen sogar zulegen. Allerdings präsentierte sich der US-Dollar gestern ähnlich stark, so dass für die Gemeinschaftswährung nur noch ein minimaler Tagesgewinn übrig blieb.

Immerhin gab es aus den USA Wirtschaftsdaten zu begutachten, von denen der Produzentenpreisindex im Januar – auch in der Kernrate (+1,7 % ggü. Vorjahr) – deutlich stärker als erwartet ausgefallen war.

Die Neubaubeginne gingen zwar gegenüber Dezember deutlich zurück, aber Analysten hatten einen viel stärkeren Einbruch erwartet. In der Summe ergab sich eine erhöhte Schätzung für das US-Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal 2020 laut des viel beachteten Modells der Fed von Atlanta, GDPNow. Danach wird nun ein annualisiertes Wachstumsplus von 2,6 Prozent (nach zuletzt 2,4 %) berechnet. Doch möchte ich erneut darauf hinweisen, dass derartige Vorhersagen in diesem noch recht frühen Stadium des Quartals recht volatil und daher noch nicht unbedingt aussagekräftig sein müssen.

 

Auch Deutschland optimistisch

Optimistisch ist auch die Einschätzung von Finanzminister Olaf Scholz, der gestern in einem Interview mit Reuters erklärte, er sehe derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass Deutschland in eine Rezession schlittern könnte. Vielmehr hielt er trotz der Coronavirus-Epidemie an seiner Prognose fest, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,1 Prozent wachsen werde. Und somit dürften sich Hoffnungen auf etwaige fiskalpolitische Stimulus-Programme für die nähere Zukunft als unrealistisch erweisen.

Keine Überraschungen oder größeren Kursausschläge ergaben sich aus dem Protokoll der vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank vom 28./29 Januar: Die Fed hält die derzeitige geldpolitische Haltung für angemessen.

Am kurzfristigen Abwärtstrend des Euro hat sich unterdessen nicht viel verändert, aber die Unterseite scheint zurzeit vor dem nächsten Potenzialpunkt bei 1,0750/55 recht ordentlich abgesichert zu sein. Insgesamt dürften sich Erholungen der Gemeinschaftswährung am heutigen Tage etwas leichter behaupten können, allerdings müssen sie für eine erste Stabilisierung mindestens 1,0915 überschreiten.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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