Dollar am Morgen Märkte Politik

Angst, etwas zu verpassen

von Joachim Goldberg am 10. Januar 2020

EUR USD (1,1105)             Nach wie vor bleibt das Handelsgeschehen bei Euro und Dollar sehr überschaubar. Dazu kam gestern auch noch, dass es an ökonomischen Daten fast nichts zu begutachten gab, geschweige, dass die Devisenmarktentwicklung interessante Ausmaße annahm – der Euro produzierte gerade einmal eine Handelsspanne von rund 30 Stellen. Dies soll allerdings nicht heißen, dass die Finanzmärkte ansonsten gestern nichts Spannendes anzubieten gehabt hätten. Dass dabei die Bullen an den Aktienmärkten das Zepter übernommen haben, sollte angesichts der zumindest vordergründig abnehmenden Spannungen und der in der Wahrnehmung der Akteure fast auf null gesunkenen Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung im Nahen Osten kein Wunder darstellen. Aber diese für die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks positive Nachrichtenlage, die an den US-Märkten mit neuen historischen Hochs, aber auch vom heimischen DAX mit Kursen unweit vom Allzeithoch quittiert wurde, macht nur einen Teil der Bullensaga aus.

 

Angst vor Aufwärtstrend größer als vor Aktienkorrektur

Dass es nämlich in der ersten Woche des Jahres am Ende zu einer Aufwärtsbewegung kam, die einer Shortsqueeze ähnelte, war in erster Linie auf die vorsichtige Positionierung institutioneller Marktteilnehmer zurückzuführen, die sich zu Jahresbeginn mehrheitlich zunächst eher auf eine Korrektur der Aktienkurse eingestellt hatten. Dies vermittelte zumindest die Stimmungserhebung, die die Börse Frankfurt am Mittwoch (vgl. HIER) durchgeführt hatte und die ich in der Conclusio so kommentiert hatte: Mit einer sinkenden Aufregung und Gewöhnung an die derzeitige [geopolitische] Situation würde gleichzeitig die Angst wachsen, eine weitere Aufwärtsbewegung im Aktienmarkt zu verpassen.

In den USA dürfte die Ausgangslage ähnlich gewesen sein, denn die gestern publizierten Ergebnisse der Sentiment-Umfrage der AAII (American Association of Individual Investors) vermittelte per 8. Januar, dass das Gros der dortigen Anleger offenbar nicht angemessen auf weitere größere Aufwärtsbewegungen am Aktienmarkt vorbereitet war. Auf einer Skala zwischen +100 und -100 lag der Stimmungsindex gerade einmal bei +3, was einem unterdurchschnittlichen Optimismus entspricht. Unterdessen spricht einiges dafür, dass sich das Stimmungsbild wahrscheinlich bereits gedreht hat. Die Angst, eine Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt zu verpassen, scheint jedenfalls größer als die Angst vor einem großen Rücksetzer zu sein.

 

Handels-Deal wird wieder wahrgenommen

Dabei ist es müßig, darauf hinzuweisen, dass nun angesichts der schwindenden Angst vor einem Krieg im Nahen Osten thematisch wieder der sogenannte „Phase eins Deal“ zwischen den USA und China in den Vordergrund gerückt ist. Dabei ist es fast schon fahrlässig zu glauben, dass wir in den kommenden Wochen und Monaten nichts mehr vom Konflikt zwischen den USA und dem Iran hören würden. Aber es hat gestern prima ins Bild gepasst, dass der Sprecher für das chinesische Handelsministerium, Gao Feng, nun (endlich) Einzelheiten zur Zusammensetzung der chinesischen Delegation bekanntgab, die den Vizepremier und Chefunterhändler Liu He auf seiner Reise nach Washington (vom 13. bis 15. Januar) zur Unterzeichnung des Teilabkommens zur Beilegung des US-chinesischen Handelskonflikts begleiten wird.

Während die Aktienmärkte haussierten, hielt sich die Dollarstärke, die immerhin zum dritten Tagesgewinn hintereinander geführt hatte, in Grenzen. Ähnliches gilt analog auch für den Euro, der sich allerdings gestern schwertat, noch einmal ein neues Tagestief zu produzieren. Zu gut scheint (noch) die Nachfragesituation vor 1,1080/85 zu sein, um auf die Schnelle den Weg für weitere Schwäche der Gemeinschaftswährung freizumachen.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD ab sofort 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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