Dollar am Morgen Märkte

Fast als sei nichts geschehen

von Joachim Goldberg am 9. Januar 2020

EUR USD (1,1115)             Es klang nahezu zynisch, als ein Kommentator gestern bemerkte, US-Präsident Donald Trump habe den dritten Weltkrieg abgesagt. Nein, niemand hat wohl ein Interesse daran die Lage im Nahen Osten weiter eskalieren zu lassen, lautete der Tenor des gestrigen Tages. Hinsichtlich der iranischen Angriffe auf US-Stützpunkte im Irak könnte man tatsächlich von einer „Vergeltung mit Ansage“ sprechen. Denn dem Vernehmen nach gab es zum Glück weder Verletzte noch Tote zu beklagen. Wahrscheinlich, weil der Irak Kommentatoren zufolge von Teheran vorgewarnt worden sein könnte. Und US-Präsident Donald Trump sieht anscheinend vorerst von Militärschlägen – nicht aber von neuen Sanktionen – gegen den Iran ab.

 

Zurück zur Risikofreude

Für viele Marktteilnehmer scheint also fast so etwas wie „Normalität“ wieder eingekehrt zu sein. Und daher ist Risikofreude angesagt. Die Rohölnotierungen, die seit Jahresbeginn um zeitweise mehr als 8 Prozent gestiegen waren, fielen auf ihr Ausgangsniveau zurück, und der breitgestreute US-Aktienindex S&P 500 machte seine ohnehin überschaubare Korrektur von gestern Nacht umgehend wett und markierte darüber hinaus ein neues Allzeithoch. Auch der DAX bewegte sich zuletzt wieder über dem Schlusskurs des Vorjahres (rund 13.249 Zähler), während Bundesanleihen wie auch die US-Staatsanleihen die Kursgewinne der Vortage zu großen Teilen wieder abgaben.

 

Dollar tanzt aus der Reihe

Allein der US-Dollar blieb interessanterweise nachgefragt und ohne nennenswerte Korrektur, wodurch der Euro kaum eine realistische Chance hatte, sich etwas zu erholen: Seit Jahresbeginn befindet er sich leicht unter Druck. Wer sich die Mühe macht, im ökonomischen Datenkalender von gestern zu suchen, wird natürlich fündig, warum die Gemeinschaftswährung derzeit nur wenig Freunde hat. Aber hat sich gestern angesichts der anfangs noch unüberschaubaren geopolitischen Lage im Nahen Osten tatsächlich ein Händler darum geschert, dass die Zahlen zum Auftragseingang der Industrie in Deutschland im November zum 18. Mal hintereinander mit einem Minuszeichen versehen waren? Dieses Mal betrug der Rückgang im Jahresvergleich 6,5 Prozent und fiel damit auch noch schlechter als ohnehin von den meisten Ökonomen erwartet aus.

Auch die über der Median-Erwartung liegende Zahl der neu geschaffenen Stellen der privaten Arbeitsmarktagentur ADP in den USA dürfte gestern nicht der wahre Treiber für den etwas stärkeren Greenback gewesen sein. Zumal das größere Interesse der Akteure den Morgen zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktbericht gelten dürfte.

Tatsächlich ist die Lage des Euro in erster Linie technisch leicht angeschlagen, zumal sich die gleich zu Jahresbeginn erneut enttäuschten Optimisten schnell wieder zurückgezogen haben dürften. Weitergehende Schwäche der Gemeinschaftswährung ist jedoch erst mit Unterschreiten von 1,1080/85 angezeigt, dann mit einem bescheidenen Potenzial von zunächst 100 Stellen.

 

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD ab sofort 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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