Dollar am Morgen Märkte

Verschenkte Chancen

von Joachim Goldberg am 8. Januar 2020

EUR USD (1,1145)             Nein, ich habe mich nicht dazu verführen lassen, meinen Urlaub um einen Tag zu verkürzen, weil es womöglich die geopolitische Gemengelage erfordert hätte, etwas Schriftliches zu den Finanzmärkten zu äußern. Auch wenn es nun etwas spät scheint: Ich wünsche allen meinen Lesern zunächst ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr.

Und ein Blick auf die Entwicklung des Euro zum US-Dollar scheint zu bestätigen, dass es manchmal besser ist, analytisch im neuen Jahr nicht gleich von Anfang an mitzumischen: Die Gemeinschaftswährung hat es jedenfalls auch im zweiten Anlauf zum Ende des vergangenen Jahres nicht geschafft, sich nachhaltig oberhalb von 1,1225 zu halten, geschweige denn, einen kurzfristigen Aufwärtstrend zu etablieren. Man könnte auch von einer vertanen Chance sprechen.

 

Überschaubare Reaktionen

Natürlich kann man nun die Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimanis durch einen US-Drohnenangriff am 3. Januar als Ursache für eine Nachfrage nach sogenannten sicheren Häfen an den Finanzmärkten ausmachen; in einem ersten Reflex werden dabei auch häufig US-Dollar gekauft. Aber obwohl Kommentatoren mancherorts sogar bereits vom drohenden Beginn eines dritten Weltkriegs sprachen, sind vor allem die Auswirkungen an den Aktienbörsen dies- und jenseits des Atlantiks überschaubar geblieben. Einzig der Preis für Rohöl (naturgemäß) und für Gold spiegelt eine deutlichere Risikoaversion der Marktteilnehmer wider. Allein: Der Euro konnte auch dann nicht profitieren, als sich bei den Aktienkursen und selbst bei den Staatsanleihen gestern eine gewisse Entspannung andeutete.

 

Kein Interesse an ökonomischen Daten

Dabei hätte man zumindest aus der vorläufigen Entwicklung des Konsumentenpreisindex der Eurozone, der im Dezember mit einem Plus von 1,3 Prozent (ggü. Vorjahr) bei einer gleichstarken Kernrate den Erwartungen entsprach, nichts Negatives für den Euro ableiten können. Zumal auch die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone für den Monat November positiv überraschten. Oder sorgte am Ende gar der besser als erwartet ausgefallene ISM-Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister in den USA für die Dollar-Nachfrage am Nachmittag? Nein, diese hatte schon eine Stunde vor Publizierung besagter Daten eingesetzt. Ich glaube sowieso nicht, dass die gestern veröffentlichten Fundamentaldaten das Interesse der Händler in größerem Ausmaß geweckt haben.

Auch wenn noch unklar ist, welcher Art die vom Iran angekündigten, dramatisch anmutenden Vergeltungsmaßnahmen für die Tötung von General Soleimani sein werden, ist die Gelassenheit der Akteure insbesondere an den Aktienmärkten bemerkenswert. Selbst die zunächst deutliche Abwärtsreaktion bei den S&P 500 Futures gestern Nacht, infolge der Angriffe auf US-Stützpunkte im Irak, wurde später zu großen Teilen wieder wettgemacht. Was aber den Euro angeht, sind die gescheiterten Versuche, an der Oberseite einen nennenswerten Trend zu etablieren, ein negatives Omen. Letzteres würde sich spätestens mit Unterschreiten von 1,1080 bewahrheiten.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD ab sofort 5 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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