Dollar am Morgen Märkte

Von Erfolg zu Erfolg

von Joachim Goldberg am 11. Dezember 2019

EUR USD (1,1090)             „Das ist eines der besten je für dieses Land abgeschlossenen Handelsabkommen“, sagte US-Präsident Donald Trump noch am Montag. Doch meinte er damit nicht einen Durchbruch bei den US-chinesischen Verhandlungen in Hinblick auf das „Phase eins“ genannte Teilabkommen. Vielmehr geht es um das überarbeitete Freihandelsabkommen UMSCA für die USA, Mexiko und Kanada, das allerdings noch vom US-Kongress ratifiziert werden muss. Ein Abkommen, bei dem es nur Sieger gibt: Donald Trump, den Entscheider, der alles durchgesetzt hat. Oder die Demokraten, die, so man ihren Äußerungen Glauben schenken will, den Vertrag noch einmal deutlich verbessert haben. Ein Pakt, der auf dem einstigen NAFTA-Abkommen basiert und der für mein Empfinden eigentlich schon längst bei vielen Akteuren mental als beschlossen abgehakt war. Ein Grund für die Finanzmärkte zu feiern?

 

Neue Strafzölle verschoben?

Feiern haben zumindest einen Vorteil: Sie lenken von anderen Problemfeldern ab, die es allein in Sachen Handelskonflikte noch zu bewältigen gibt. Oder ist man ein Pessimist, wenn man dem gestrigen Artikel des Wall Street Journal[1] mit Skepsis begegnet? Demzufolge wären die Beteiligten im US-chinesischen Handelskonflikt gerade dabei, die Grundlage für eine Verschiebung der eigentlich für den 15. Dezember anberaumten US-Strafzölle auf chinesische Importe[2] auszuarbeiten, hieß es. Doch habe, so war im selben Artikel zu lesen, US-Präsident Donald Trump diesbezüglich noch keine Entscheidung getroffen. Zur Erinnerung: Trump verlangt ein Commitment Chinas – und dies scheint ziemlich unrealistisch –, Agrarprodukte in einem Volumen von angeblich jährlich 40 bis 50 Mrd. USD von den USA abzunehmen.

 

Gute Stimmung herrscht vor

Wie dem auch sei: Obwohl eine Aussetzung der für den 15. Dezember vorgesehenen Strafzölle, also eine Verlängerung des Waffenstillstands, von den Finanzmarktakteuren eigentlich als das Mindeste, das im Handelsstreit auf der positiven Seite beschlossen werden könnte, angesehen wird, reagierten die zuvor schwachen Aktienmärkte dies- und jenseits Atlantiks mit einer deutlichen Erholungsbewegung.

Immerhin gelang es dem Euro, die Aufwärtstendenz vom Vortag fortzusetzen, was mancherorts von Händlern einem besser als erwartet ausgefallenen ZEW-Index (Dezember) zugeschrieben wurde. Allerdings deute ich die gute Stimmung unter den Teilnehmern eher als Spiegel der zuletzt bullishen Aktieninvestoren und weniger als ein ökonomisches Stimmungsbild. Der Anleger-Optimismus (vgl. Börse Frankfurt) war nämlich bereits in der vergangenen Woche relativ hoch. Ohnehin sprechen wir nach wie vor über recht überschaubare Euro-Bewegungen gegenüber dem Dollar, die sich überdies immer noch in der Range vom vergangenen Freitag abspielen. Die Aussichten für die Gemeinschaftswährung bleiben jedenfalls positiv, solange 1,1030 gehalten wird.

 

Hinweise

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

 

[1] https://www.wsj.com/articles/u-s-and-chinese-trade-negotiators-planning-for-delay-of-december-tariff-11575984743?mod=searchresults&page=1&pos=2

[2] Es handelt sich um neue Zölle in Höhe von 15 Prozent auf ein Importvolumen von etwa 160 Milliarden USD

 

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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