Dollar am Morgen Märkte

Aktien-Euphorie und Kapitulationskäufe

von Joachim Goldberg am 8. November 2019

EUR USD (1,1045)             „Peking verkündet Einigung im Handelsstreit“ – so überschrieb n-tv.de gestern einen Beitrag, der darüber informierte, dass  der Sprecher des chinesischen Handelsministeriums, Gao Feng, im Rahmen eines Routinebriefings eine Einigung zwischen den USA und China über die schrittweise Abschaffung der bestehenden Strafzölle verkündet habe. Das klang für viele Akteure an den Finanzmärkten schon besser als die tags zuvor verkündete Verschiebung der Unterzeichnung des US-chinesischen Teilabkommens im Handelsstreit auf Anfang Dezember. Aber muss man deswegen gleich so euphorisch reagieren, wie es die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks taten? Wo doch Gao gleichzeitig darauf hinwies, dass der Umfang der zu streichenden Zölle noch gar nicht beschlossen sei und letztlich von den Vertragsbedingungen des als „Phase eins“ bezeichneten Teilabkommens abhinge. Ein Kommentator wies richtigerweise darauf hin, dass die Vertragsbedingungen wiederum von der Höhe der gesenkten Strafzölle abhingen. Da beißt sich die Katze offensichtlich in den Schwanz.

 

Erhöhte Erwartungen

Nun erwartet der Markt natürlich zumindest, dass die für den 15. Dezember angesetzten Strafzölle der USA auf Chinaimporte in Höhe von 15 Prozent als erstes gestrichen werden. Aber die Erwartungen diesbezüglich dürften sich mittlerweile sogar etwas erhöht haben. Zumal US-Regierungsvertreter dem Vernehmen nach zurzeit auch über eine Rücknahme der am 1. September verhängten Zölle nachdenken. Tatsächlich gehörten beide Tranchen ohnehin einmal zusammen, bevor US-Präsident Donald Trump am 13. August beschloss, einen Teil dieser Zölle auf bestimmte Waren erst Mitte Dezember erheben zu wollen – vor allem, um nicht das US-Weihnachtsgeschäft zu gefährden.

 

Nicht überall herrscht Euphorie

Vor allen Dingen haben die Aktienmärkte euphorisch reagiert, obwohl bis jetzt niemand etwas hierzulande Konkretes über das Teilabkommen zwischen den USA und China weiß. Auch dürfte hierzulande bestenfalls beim Gros der Privatanleger tatsächlich Grund zur Freude bestanden haben. Denn die Umfrage der Börse Frankfurt vom Mittwoch zeitigte (vgl. HIER) den höchsten Optimismus seit Februar 2018, der naturgemäß durch entsprechende Positionen unterlegt war. Die institutionellen Anleger waren indes stimmungstechnisch unter dem Strich neutral eingestellt und dürften per Saldo weniger Grund zur Freude gehabt haben. Gut möglich, dass die erfreulich klingenden Nachrichten im Handelsstreit hie und da zu Kapitulationskäufen vormals skeptischer Investoren geführt und somit den hiesigen Aktienmarkt gleichzeitig beflügelt haben.

Blickt man indes auf den Devisenmarkt, kann man nicht von sonderlich gesteigerter Risikofreude der Akteure sprechen. Insbesondere der Euro blieb dieser gestern weiterhin unter Druck. Tatsächlich spricht fundamental auch nicht viel für die Gemeinschaftswährung, was vor allem für Deutschland gilt. Denn dort enttäuschten zuletzt die Zahlen zur Industrieproduktion des Monats September. Aber unabhängig davon befindet sich der Euro nach wie vor in instabiler Umgebung mit Spielraum bis 1,0995/00 und kann sich aus dieser Lage erst mit Überschreiten von 1,1120 befreien.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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