Dollar am Morgen Märkte

Lichtblick im Novembergrau

von Joachim Goldberg am 7. November 2019

EUR USD (1,1055)             Ja, gestern konnte man fast ein wenig hochschrecken, wenn man sich die ökonomischen Daten in der Eurozone ansah. Genauer gesagt geht es um Deutschland und dem besser als von den Ökonomen erwartet ausgefallenen Auftragseingang in der Industrie. Ein wohltuender Kontrast zu all dem herbstgrauen Einerlei wenig mutmachender Zahlen. Zumindest, wenn man nur auf das September-Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat blickt – gegenüber dem Vorjahr betrug das Minus immer noch 5,4 Prozent; es handelte sich um den 16. Rückgang in Folge. Zu den leicht positiven Überraschungen gehörte auch der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex für die Industrie und die Dienstleister der Eurozone, der zwar noch gegenüber der ersten Schätzung von Markit für Oktober etwas besser (50,6) ausfiel. Aber einige Unterkomponenten (insbesondere die Exportaufträge) geben keinerlei Anlass zu Optimismus. Vermutlich hätte sich der Euro gestern auch ohne diese Daten um die 30 Stellen erholt, die er tatsächlich vorübergehend gutmachen konnte.

 

Treffen in der Schweiz oder in London?

Interessanteres gibt es indes von der Entwicklung des US-chinesischen Handelsstreits zu berichten. Denn einem Medienbericht zufolge soll ein hochrangiger Repräsentant der Trump-Administration, der nicht genannt werden will, geäußert haben, dass sich die Unterzeichnung des US-chinesischen Teilabkommens bis in den Dezember hinein verzögern könnte. Nicht zuletzt, weil bislang noch kein neuer Ort für eine Vertragsunterzeichnung des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping und Donald Trump gefunden wurde. Nun soll die „Phase eins“ des Handelsabkommens in der Schweiz oder in Schweden mit den Unterschriften beider Staatsoberhäupter besiegelt werden. Oder im Anschluss an den Nato-Gipfel (3.12.) in London. Auch sei es möglich, so der geheime Informant, dass es gar nicht erst zu einem Deal kommen könnte. Aber wahrscheinlicher sei es, dass das Abkommen zustande komme.

 

Mehr zur asymmetrischen Geldpolitik

Was eine mögliche asymmetrische Geldpolitik der Fed angeht, gab es gestern ebenfalls zwei interessante Statements. Das eine kam vom Chef der Fed von Chicago, Charles Evans, der – falls die Inflation überhaupt steigen sollte – auch nichts gegen eine Inflationsrate von 2,5 Prozent, also über dem von der Fed anvisierten Ziel, hätte. Auch sei er der Ansicht, dass der sogenannte neutrale Zins (das ist derjenige Zins, der die Wirtschaft weder ankurbelt noch bremst) wahrscheinlich gesunken sei.

Das zweite Statement stammt aus einer Paneldiskussion mit dem Chef der Fed von New York, John Williams, der sich sogar vorstellen kann, dass die US-Notenbank in der nächsten Rezession den Leitzins bis auf 0 Prozent senken könnte. Zwar sind beide Fed-Vertreter dem Lager der Zinstauben zuzurechnen, aber einmal mehr wurde deutlich, dass die Notenbank wahrscheinlich schneller auf ungünstige Wirtschaftsdaten reagieren würde als auf eine boomende Konjunktur oder gar steigende Inflationsraten.

Dennoch ist es bemerkenswert, dass der Euro auch gestern nicht in der Lage war, die Untergrenze seiner neutralen Zone, die von 1,1065/70 bis 1,1180 reichte, endlich zu durchstoßen. Immerhin: Dies gelang heute früh in Fernost. Wie bereits gestern erwähnt, wird damit allerdings kein kurzfristiger Abwärtstrend eingeleitet, aber der Euro bleibt jedenfalls in seiner latent schwachen Verfassung mit Spielraum, nunmehr bis 1,0990/95. Diese Situation würde erst nach Überschreiten von 1,1130 bereinigt.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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