Dollar am Abend Märkte

Rationaler Überschwang

von Joachim Goldberg am 5. November 2019

EUR USD (1,1125)             Während die Aktienmärkte gestern in erster Linie wegen des Optimismus hinsichtlich einer Beilegung des US-chinesischen Handelsstreits erneut haussierten, mussten wir für den Devisenhandel einen weiteren langweiligen Handelstag hinnehmen. Es ist schon bemerkenswert, dass der Euro, trotz der guten Vorzeichen für risikofreudige Finanzmarktteilnehmer, auch gestern große Schwierigkeiten hatte, an der Oberseite das nächste wichtige Abgabeniveau bei 1,1180 in Angriff zu nehmen. So ging es nun gestern bereits den dritten Handelstag hintereinander nach oben nicht mehr voran – die Gemeinschaftswährung schien geradezu gegen eine Glaswand zu laufen. Im Gegensatz dazu scheinen sich Aktien-Marktteilnehmer wegen der in der vergangenen Woche angekündigten asymmetrischen Fed-Politik und der damit verbundenen Versicherung gegen stärkere Kursrückgänge unglaublich sicher zu fühlen. Und so trauen sich viele Kommentatoren angesichts des (noch) rationalen Überschwangs der Akteure nicht mehr, von Crashgefahren zu sprechen, sondern prognostizieren bestenfalls moderate technische Abwärtskorrekturen für den Aktienmarkt.

 

Impeachment-Prozess – noch eine Versicherung?

Denn neben der Fed gibt es natürlich auch noch einen anderen Garanten für einen gutlaufenden Aktienmarkt, und der heißt Donald Trump. Denn mehr denn je ist der US-Präsident auf gute Wirtschaftsaussichten angewiesen. Zumal ein starker Aktienmarkt, ein robustes Wirtschaftswachstum und ein möglicher Erfolg im Handelskonflikt mit China – auch wenn es sich nur um einen Teilerfolg handeln sollte – lenken von der Impeachment-Untersuchung ab, die nun in ihre „öffentliche Phase“ geht.

Auch wenn ich nicht glaube, dass der US-Präsident am Ende tatsächlich durch ein Impeachment entmachtet wird, kann Trump zurzeit eines nicht gebrauchen: schlechte Nachrichten für die Wirtschaft und die Aktienmärkte. Solange ihm die Wähler nicht davonlaufen, werden die Republikaner im US-Senat in ausreichender Zahl Donald Trump die Stange halten.

 

Autozölle für die EU vom Tisch?

Tatsächlich weiß „der Aktienmarkt“, dass Trump die US-chinesischen Handelsgespräche wahrscheinlich nicht alleine deshalb (wie bereits schon einmal geschehen) platzen lassen kann, um damit die US-Notenbank indirekt zu einer weiteren Zinssenkung zu drängen. Eine Geschichte, die übrigens immer wieder gerne kolportiert wird. Nein, Jerome Powell hat ja bereits am vergangenen Mittwoch deutlich gemacht, dass die Notenbank zwar derzeit stillhalte, aber bei einer deutlichen Verschlechterung der US-Wirtschaft mit einer weiteren Zinssenkung helfen würde. Trump braucht also die Fed gar nicht unter Druck zu setzen, da diese sich bereits klar festgelegt, sozusagen committed hat.

Ergo: Je mehr Trump vordergründig durch den Impeachment-Prozess unter Druck gerät, desto wahrscheinlicher ist ein Einlenken der US-Administration im US-chinesischen Handelskonflikt – aber nur, was die „Phase 1“ des Abkommens angeht. Aber auch gegenüber Europa klangen etwa die Worte eines Wilbur Ross am vergangenen Sonntag in Sachen Kraftfahrzeug-Strafzölle wesentlich konzilianter. Der US-Handelsminister hat offenbar „sehr gute“ Gespräche mit den Autobauern gehabt, so dass womöglich keine Strafzölle mehr nötig sind.

Unterdessen hat sich der Euro gestern in seiner neutralen Zone zwischen 1,1065/70 und 1,1180 wieder etwas abgeschwächt. Während die Oberseite nach wie vor wenig durchlässig scheint, ist die Unterseite etwas aufgeweicht.

 

Hinweis

Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.

SCHLAGWÖRTER

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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